Es war eine gute Idee, den neuen Bürgermeister Simon Zimmermann, zu einem Stammtisch des Gewerbeverbands Wolnzach einzuladen und ihn um ein Referat zur zukünftigen Entwicklung Wolnzachs und besonders seines Gewerbes zu bitten. Als Lokalität wurde der Veranstaltungsraum des Restaurants „Strawanza“ gewählt, um die Bedeutung des Abends zu unterstreichen. So wurde eine kleine Hauptversammlung des Gewerbeverbands daraus mit vielen Fragen und Anregungen von den Mitgliedern. Der Raum war gefüllt bis zum letzten Platz. Simon Zimmermann zeigte sich sehr entspannt, hatte sich aber ausgiebig vorbereitet und brachte ein langes Redemanuskript mit. Kein Vergleich zu den Wahlabenden z.B. im ehemaligen Hotel Hallertau. Die Angespanntheit, die ihm bei den Feierlichkeiten in Poperinge noch anzusehen war, wich an diesem Abend völlig. Der Bürgermeister fühlte sich im Gewerbeverband unter Gleichen.
Voraus gegangen war ein Wochenende, in dem der Wolnzacher Gemeinderat sich zur Klausur zurückgezogen hatte und die anstehenden Probleme und die Zukunft der Marktentwicklung diskutierte. So waren viele Ergebnisse eine Steilvorlage für das Referat. 3. Bürgermeisterin Tanja Maier befand sich auch unter den Zuhörern und brachte sich hin und wieder in die Diskussionen ein. Sie hatte auch schon in Poperinge in offizieller Mission gehandelt. Am Dienstag bestärkte sie die Aussagen Zimmermanns, wie z.B. ein Entschluss der Klausur, die Preysingstraße nächstes Jahr für ein Monat als Einbahnstraße zu testen. Zimmermann: „Dieser Punkt ist aber noch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Das sage ich nur hier, weil viele Anlieger anwesend sind.“ Doch der Maulkorb für die Presse hielt nicht. Diese Aussage stand ganz oben bei der Berichterstattung des PKs zu diesem Abend.
Zunächst betonte Zimmermann, dass er weiter zur guten Zusammenarbeit von Gemeinde mit dem Gewerbeverband stehe v.a. bei den Veranstaltungen wie Tage der Offenen Türen, Gewerbemesse, Kindertag etc. Die Rahmenbedingungen für Gewerbetreibende wären schwieriger geworden. Doch Zimmermann findet in Wolnzach viele innovative Unternehmer, die die Probleme der Zeit ernst nehmen und Lösungen finden. Denen sagte er seine volle Unterstützung auch im Einzelfall zu. Was möglich ist, soll gemacht werden. Zimmermann: „Ich will wieder bei den Unternehmen Vertrauen schaffen“. Deshalb schätzt er den offenen Umgang miteinander und Ehrlichkeit. Er bittet, Probleme mit der öffentlichen Hand frühzeitig zu offenbaren und auf ihn zuzukommen – „dann seien Lösungen noch möglich“.
Nach der schwierigen Parkplatzsituation im Zentrum, die das Gewerbe belastet (Zimmermann: „Ich habe die Mitarbeiter der Gemeinde gebeten, am Volksfestparkplatz zu parken“) kam Zimmermann schnell auf den Flächennutzungsplan zu sprechen. Es müssen Flächen gespart oder aktiviert werden. Wo jahrelang nichts weiter geht, wird gestrichen und bei Verhandlungswilligen neu angelegt. Zimmermann kritisierte auch Neiddebatten wie, „warum darf der das und nicht ich“. Hier helfe nur der direkte Dialog mit ihm, um alles besser zu erklären. Zimmermann: „Wir brauchen Zusammenarbeit möglichst vieler anstelle des Gegeneinanders“. Er forderte auch gegenseitigen Respekt. Beschimpfungen und Drangsalierungen aus Eigennutz sollen der Vergangenheit angehören.
Gegen den Fachkräftemangel setzt Zimmermann auf die Bereitstellung günstigen Wohnraums. Hier sieht er in Wolnzach Nachholbedarf. Zimmermann liegt es auch sehr am Herzen, daß Wolnzach als liebenswerter Ort empfunden wird. Dazu gehört eine leistungsstarke Gastronomie und eine Vielfalt im Einzelhandel. Für Neubaugebiete müssten Probleme bei Wasser und Abwasser gelöst werden, die in den Vorjahren nicht angegangen wurden. Dazu erstellte das Wolnzacher Bauamt einen Masterplan, der hoffen lässt, in 1–2 Jahren akzeptable Lösungen bieten zu können. Für die Haushalte und Unternehmen werden dennoch keine gigantischen Beträge zukommen wie in den Nachbargemeinden.
An unbebauten Gewerbeflächen hat der Markt wenig zu bieten. Schlagenhauser Mühle I und Bruckbach sind de facto voll belegt. Das treffe für alle Gemeinden im Landkreis zu. Hier sollen rasch Flächen ausgewiesen werden, wobei auch der Verkehr durch Wolnzach eine Rolle spiele. In der Diskussion wurde v.a. die Verkehrssituation am Rathausplatz und in der Preysingstraße angeprangert. Doch verstärkte Verkehrskontrollen z.B. der 30er-Regelung wurden abgelehnt. Zimmermann ließ offen, wie die Preysingstraße attraktiver gestaltet werden könnte. Die Gemeinde hat das Haus der ehemaligen Bäckerei Gabelsberger gekauft. Zur späteren Nutzung konnte Zimmermann noch nichts sagen. Die Wohnungen im Postgebäude sollen preiswert ertüchtigt werden. In der freiwerdenden Siegelhalle können bald wieder Veranstaltungen wie z.B. kleinere Musikpartys abgehalten werden. ek
Foto: Eduard Kastner
