Auch wenn die Wissenschaft den Zusammenhang zwischen dem Phänomen El Niño im Pazifik und der Trockenheit mit Hitze in Europa nicht erklären kann, wir erlebten diesen Sommer nicht nur Temperaturrekorde und Hitzehäufigkeit wie in keinem Jahr. Die Hochdruckgebiete über Europa bewegten sich nicht, weil die Winde zu schwach waren. Nun kommt von El-Niño-Experten eine weitere Prognose: Es wird zum Jahresende weitere Wärme geben, so dass 2026 als wärmstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen in die Geschichte eingeht. Von dieser Zusatzerwärmung wird freilich die Landwirtschaft kaum betroffen sein, da die Ernten eingefahren sind. Es wird auch Regen geben, so dass sich die Schifffahrt erholen kann. Doch wir profitieren bereits von einem „goldenen Herbst“ mit viel Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen.
Interessanterweise blieben in Europa bisher in 2026 Sturzfluten mit großen Überschwemmungen aus. Sie sind auch für das letzte Quartal im Jahr sehr unwahrscheinlich, wenn es auch keine Garantie dafür gibt. Die Prognosen besagen, dass wir einen sehr milden Winter erleben werden mit wenig Niederschlägen – für die Land- und Forstwirtschaft ein weiteres Desaster, ebenso für den Ski-Tourismus in den Alpen. Doch was zu wenig gesagt wird: Auch 2027 wird ein El-Niño-Jahr. Es werden sich die Bilder von diesem Sommer also wiederholen. In der Landwirtschaft ist mit ähnlich schlechten Ernten wie 2026 zu rechnen. Den Hopfenpflanzern steht ein weiteres sehr hartes Jahr ins Haus. Gut, dass die Lager bei Handel und Brauereien so groß sind, dass für die Bierproduktion keine Not aufkommen wird. Aber manche Sorgenfalten werden dennoch das Rodungsziel verringern.
Andere Bereiche können Gegenmaßnahmen ergreifen. So sind die Stromnetze anpassbar: Wo Atomkraftwerke wegen fehlendem Kühlwasser still gelegt werden müssen, kann Solarenergie einspringen, die Rekorderträge einfährt. Für den Rundumbetrieb müssen Pufferspeicher errichtet werden. Das Teure dabei ist, dass sie nach El-Niño nicht mehr so benötigt werden. Die Industrie, die auf Warenlieferungen auf dem Wasser angelegt ist, muss die Wintermonate nutzen für verstärkte Belieferung und Lager für den Sommer aufbauen. Womöglich müssen Betriebsferien auf die Hitzemonate vorverlegt werden. Davon könnten auch die Schulsommerferien betroffen sein. Es gibt also viel zu regeln. Doch die Politik schläft noch.
Es werden auch die Temperaturen der Meere weiter steigen. Für Riffs bedeutet dies das Absterben. Vielleicht könnte dies verhindert werden, wenn kaltes Wasser auf dem Meeresgrund nach oben gepumpt wird? Die Waldbrände werden 2027 weiter wüten. Hier ist an verbesserter Früherkennung z.B. mit Satelliten und höherer Löschkapazität zu arbeiten. Die Lösch-Hubschrauber müssen rechtzeitig bestellt und reparaturfähige hergerichtet werden. Durch verbesserte Organisation könnten Reserven schneller in Notstandsgebiete gebracht werden. Bis zum Jahresende wird das Regnen-Lassen mit WeatherTec in Tansania seine Bewährung zeigen. Der Aufbau der Antennen für Europa wäre in wenigen Monaten bewältigbar. Denn am Himmel besteht auch in heißen Sommern eine große Wasserreserve. Gezieltes Regnen würde die Waldbrände am besten und schnellsten löschen. Auch die Landwirtschaft würde davon profitieren.
Um die Hitzetoten zu verringern, braucht es Klimaanlagen in Altersheimen und Krankenhäusern. Dafür sollten Programme aufgelegt werden. Da die Erderwärmung zunimmt, werden sie auch in „normalen“ Sommern benötigt. Mit Kampagnen sollen die Betroffenen rechtzeitig aufgeklärt werden: viel trinken und pralle Sonne meiden. Tagesarbeitszeiten für Tätigkeiten im Freien sind neu zu regeln. Wir können das von den Ländern im Mittelmeerraum lernen. All diese Vorbereitungen sind wichtiger als elektronische Briefe verpflichtend einzuführen, Verpackungen mit neuen Bestimmungen zu überziehen u.v.m. Die Industrie in Deutschland investiert in 2027 850 Milliarden Euro zusätzlich. Dafür will sie aber keine neuen Bestimmungen aus Berlin bekommen. Ein Teil des Geldes ist sicherlich nötig, den Sommer 2027 besser zu überstehen. ek