Nächstes Wochenende brechen so viele Wolnzacher zur Patenstadt Poperinge in Belgien auf wie noch nie: Politiker, Delegationen Wolnzacher Vereine, die Marktkapelle, die Schützen als Teilnehmer des Festzugs u.v.m. Mit von der Partie: die Hallertauer Hopfenkönigin, einer langen Tradition folgend. Auf sie wartet auch ein Platz auf einem Gespann beim Festzug und viel Repräsentanz. Die meisten nutzen das Angebot des Marktes, mit dem Bus dorthin und zurück gebracht zu werden. Einziger Haken: Er startet am Freitag um 4 Uhr früh. Andere fahren selbst oder fliegen nach Brüssel, um von dort mit der Eisenbahn oder per Mietwagen nach Poperinge zu kommen.
1972 war die Patenschaft offiziell geschlossen worden. Die ersten Gespräche mit Bürgermeister Walter de Sagher wurden 1966 auf dem Wolnzacher Volksfest geführt. Alle 3 Jahre reist eine Delegation nach Poperinge, um im Folgejahr die Gäste aus der belgischen Hopfenstadt in Wolnzach zu empfangen. Jeweils findet ein Festzug statt, als offizieller Anlass. Nur durch Corona wurde dieses Schema gebrochen, um nun wieder in den Rhythmus zu kommen. Dann schmückt sich Poperinge mit vielen Hopfenreben und hält eine Handpflücke auf dem Stadtplatz ab. In den Jahren dazwischen zeigt sich die Stadt wie immer, ohne Attraktion für Touristen aus Belgien. Doch heuer läuft das volle Programm, gesteuert von der Stadtverwaltung. In Wolnzach koordiniert Vera Walf den Besuch in Belgien. So lernten beide Orte voneinander. Doch jede bleibt ihrer eigenen Tradition treu. Nur weinige Elemente in den Festzügen ähneln sich.
Der Festzug Poperinges geht um den Hopfen. Viele Schulklassen spielen Nützlinge und Schädlinge in herrlichen Kostümen und bester Gesichtsbemalung. Die „Wolnzacher Woche“ wird in der nächsten Ausgabe viele Bilder davon zeigen, ebenso von den Wägen, deren Titel viele schon auswendig kennen. Alle drei Jahre sind sie herrlich anzusehen. Wolnzach weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit und Organisation in solch einer Mammutdarbietung steckt. Unzählige Kapellen spielen zwischen den Fuhrwerken und Gruppen.
Exklusiv zum „Hopfenfest“ alle 3 Jahre wird ein Zelt aufgebaut, spielen Bands bayerische Volksfestmusik in Lederhosen, wird die belgische Hopfenkönigin gewählt und gutes Hommel-Bier ausgeschenkt. Am Samstagvormittag organisiert die Stadt zwei Ausflugsprogramme. Traditionell zeigen mehrere belgische Musikzüge am Nachmittag ihr perfektes Können in herrlichen Uniformen. Der Sonntag beginnt mit einem Hochamt, gefolgt von Kranzniederlegungen aller Partnerstädte Poperinges unter Spiel der Nationalhymnen durch die Wolnzacher Marktkapelle. Danach hält die Stadt und jede Delegation eine Rede, tauscht Geschenke aus. Da wird es sehr tragend europäisch, dem Frieden gewidmet. Nach dem Festzug trifft man sich wieder, trinkt ein spezielles Starkbier und lässt den großen Tag würdig ausklingen. Am Montag organisiert die Stadt einen Ausflug ins belgische Umland. Die Rückreise ist so erst am Dienstag möglich.
Ein spezielles Highlight stellt immer der Festabend des Poperinger Gewerbeverbands dar. Er findet (wie immer) am Samstagabend statt. Gemeinde- und Stadträte, sowie die beiden Bürgermeister erhöhen die Zahl der Teilnehmer, so dass eine 30-köpfige edle Gesellschaft sich bildet mit bester Bewirtung. Heuer reisen fünf Vertreter des Wolnzacher Gewerbeverbands nach Poperinge, erstmals der Vorsitzende Alfred Hammerschmid mit Frau. An diesem Abend genießt Wolnzach einen Sonderstatus unter den Partnerstädten und feiert die besondere Freundschaft, während die Wolnzacher am Sonntag nur ein Bruchteil der Vertretungen darstellen, aber am Festzug sich exklusiv mit Kapelle, Schützen, Hopfenkönigin und mehr beteiligen. ek