Mit viel Spannung wurde der Vortrag Dr. Tietes zur Zukunft der medizinischen Versorgung in der Region 10 beim Wirtschaftsbeirat Ingolstadt letzten Donnerstag im Donau Tower erwartet. Es kamen Politiker, Klinikgeschäftsführer bis ehemalige Münchner Chefärzte, aber auch einfach Interessierte, so dass die Diskussions- und Fragerunde nach dem Referat sehr lang wurde. Dr. Tiete ist Geschäftsführer und Ärztlicher Direktor des Klinikums Ingolstadt. Bei ihm laufen alle Fäden des zukünftigen Klinikverbundes Pfaffenhofen-Schrobenhausen-Eichstätt-Ingolstadt zusammen. Im eigenen Sprachgebrauch sieht sich Ingolstadt als „Nabe“. Alle übrigen sind „Speichen“. Überraschenderweise bekannte sich Dr. Tiete eher zum „Bayerischen Modell“: Bestehendes soll nur optimiert, aber nicht aufgelöst werden. Es bestehe auch in der Region 10 ein Bettenüberangebot, das es anzupassen gelte. Das sei auch dringend nötig, da Bayern seine Krankenhaus-Zuschüsse um 10.000 € je Bett gekürzt hat.
Nach Dr. Tiete sei eine Prognose, was am Ende herauskommen wird, wegen vieler schwer vorhersehbarer Faktoren schwierig. Im Herbst soll ein Gutachten die Zukunft der 6 Krankenhäuser umreißen. Dr. Tiete ist der derzeitige Ermittlungsstand bekannt. Deshalb schloss Dr. Tietes Zukunftsbild es mit ein. Während die Krankenhäuser in Schrobenhausen, Eichstätt, Ingolstadt und selbst Pfaffenhofen praktisch belassen werden, trifft es Kösching und Mainburg hart. Bei beiden soll die Bettenzahl auf 40 abgesenkt werden und das ärztliche Angebot ebenso. Kösching habe die Notaufnahme eh schon geschlossen. Doch heißt dies aber auch, dass diese Krankenhäuser fortgeführt werden.
In Ingolstadt wird das heutige Angebot an Leistungen erhalten. Die Bezeichnung „Maximalangebot“ ist relativ, da spezielle Bereiche nicht darunterfallen. Sie werden weiterhin von wenigen darauf konzentrierten Kliniken abgedeckt. Dr. Tiete kritisierte die Rettungsdienste, die prinzipiell das nächste Krankenhaus anfahren. Bei einem Schlaganfall hätte für Komplikationen nur das Klinikum Ingolstadt das nötige Leistungsspektrum wie Neurochirurgie, auch wenn der Anweg länger ausfällt. So müsste wenigstens die Vor-Ort-Diagnose durch den Notarzt verbessert werden. Andererseits sei dies bei komplizierten Brüchen bereits gute Praxis. Mit dem neuen Modell der Zusammenarbeit soll die Belegungsquote der „Speichen“-Krankenhäuser erhöht werden, wodurch deren Defizite gesenkt würden. Dabei drücke die „Ambulantisierung“ der Behandlungen die Bettenzahl. Auch Fortschritte in der Medizin werden sich kostensenkend und bettenreduzierend auswirken.
Im zweiten Programmteil der Veranstaltung stand die Präsentation des 2025 bezogenen „Donau Towers“, dem Hauptsitz der VR-Bank Bayern Mitte. Vorstandsvorsitzender Andreas Streb führte selbst die Gäste in den 3., 6. und 13. Stock und erklärte die Hintergedanken der Planung. Das Gebäude wird von den Mitarbeitern sehr gut angenommen. Die Bank stehe trotz dieser hohen Investition sehr solide da. Probleme kämen von außen: Die viel zu hohe Bürokratie, insbesonders Berichtspflichten, aber auch die stark gestiegenen Insolvenzzahlen bei zurückhaltender Investitionsbereitschaft der regionalen Unternehmen, das die Kreditvergabe stagnieren lasse. ek
Foto: Eduard Kastner
