Eine der schlechtesten Hopfenernten

August 24, 2026

Der Hopfentag der Interessengemeinschaft Qualitätshopfen Niederlauterbach (IGN) gehört zu den wichtigsten Terminen der Hopfenwirtschaft Deutschlands. Dort werden mehr wissenschaftliche Ergebnisse zum Hopfen- und Brauwesen vorgetragen als auf der Hopfenrundfahrt. Mario Scholz (IGN-Geschäftsführer) und Adi Schapfl (Vorsitzender Verband Deutscher Hopfenpflanzer und Aufsichtsratschef HVG) analysieren die Lage am hallertauer und deutschen Hopfenmarkt sowie weltweit. Der Einladung folgen Brauer aus ganz Deutschland (– heuer sogar Pflanzer aus dem Yakima-Tal), nicht zuletzt auch wegen der bayerischen Bewirtung: Weißwürste zu Beginn, Kaffee und viele Kuchensorten zur Pause und ein fantasievolles bayerisches Buffet zum Ausklang. Die IGN wird von Jahr zu Jahr ein besserer Gastgeber. 2027 soll das 40. Bestehen in Niederlauterbach gefeiert werden, nachdem in den letzten Jahren der Hopfentag bei repräsentativen Mitgliedern begangen wurde, heuer in der Maschinenhalle der Familie Kiermeier am Ortsende von Rohrbach. opH

Nachdem die offizielle Hopfenschätzung für die Hallertau doch noch nicht abgeschlossen war, zählte am Donnerstag die IGN-interne Hopfenernteprognose: 26.500 to Ertrag für die Hallertau, also 30 % weniger als im Vorjahr (37.500 to. = ein „normales“ Hopfenjahr). Mario Scholz begründete diese Zahl. Einerseits ging die Anbaufläche um 915,24 ha zurück, andererseits schädigte das trockene und heiße Wetter die Entwicklung der Pflanzen: In 2026 wurden bisher schon 43 Hitzetage (über 30° C) verzeichnet und es übertrifft damit das Katastrophenjahr 2003, ebenso bei den Niederschlägen bis Anfang August. Seitdem regnete es zwar doch einiges, aber nur selten in Mengen. Scholz: „Wir hoffen auf Regen bis zur Ernte, die so spät wie möglich zu beginnen ist“. Zweites Fiasko: Die Alphawerte sind viel zu gering. Hier wird ebenso auf Kühle und Regen, vor allem für die späten Sorten (Herkules) gesetzt. Dies alles wird aber nicht mehr das Ruder herumreißen können. Für die Erzeuger ergibt sich ein ruinöses Hopfenjahr 2026. Deshalb der Appell an die Brauer, Verträge wieder rechtzeitig abzuschließen mit hinreichenden Preisen, um die Existenz des hallertauer Hopfenbaus zu sichern.

Dies war auch der Tenor von Dr. Willy Buholzer, Chef des Einkaufs des größten Brauereikonzerns der Welt: AB InBev – jedes vierte Bier weltweit kommt aus diesen Sudkesseln. Dr. Buholzers Herz schlägt immer schon für die Hallertau. Deshalb wird in Europa von AB InBev zu 90 % hallertauer Hopfen verbraut. Doch der Konzern hat auch eigene Hopfengärten: mit der Buschfarm in Hüll (32 ha), in den USA 700 ha, in Südafrika weitere 76 ha. Somit ist AB InBev auch der größte Hopfenpflanzer der Welt. 25 % seiner Hopfen kommen aus eigener Produktion und damit 6,7 % aller Biere der Welt. Wer Hopfen selbst anbaut, denkt auch als Erzeuger. Bei AB InBev wird so ständig versucht, neue Hopfensorten einzusetzen. Dazu stellte Dr. Buholzer ein neues Bewertungssystem seines Hauses vor. Versorgungssicherheit zählt als oberste Prämisse von AB InBev. Entsprechend umfassend ist die eigene Lagerhaltung ausgebaut.

Adi Schapfl ging als neuer Präsident des Internationalen Hopfenanbaus auf die Lage des Welthopfenmarktes ein. In Summe rechnet er mit einem Rückgang der Weltmenge in 2026 von 108.733 to auf 94.968 to (geschätzt). Hinzu kommt noch der Alphaeinbruch in Europa. In 2026 seien in der Hallertau Perle und Herkules zu 80 % vertraglich abgesichert (Gesamtmarkt 78 %). Die niedrige Ernte wird keine Freihopfen übrig lassen. In 2027 geht die Vertragsquote auf 69 % und in 2028 auf 51 % zurück zum heutigen Stand. Für Perle und Hall. Tradition gab es gerade neue Nachfrage/Verträge. Jeder Pflanzer muss aber für sich entscheiden, wo sein Kostenrahmen unterschritten wird. Für die USA rechnet Schapfl einen vermehrten Export von Bitterhopfen. Schapfl: „Wir brauchen diese Konkurrenz nicht zu sehr fürchten, da wir im großen und ganzen gut aufgestellt sind. Ein kampfloses Aufgeben des Wettbewerbs würde aber die Hallertau bedrohen“. Ob die exorbitanten Alphawerte einiger US-Sorgen wirklich stimmen, soll erst die Ernte ’26 beweisen. Schapfl ermutigt die deutschen Hopfenpflanzer, sich nicht ins Boxhorn jagen zu lassen. Im Klimawandel helfen die neuen Sorten Hülls. Die künstliche Bewässerung des Yahima-Tals sei auch durch den Klimawandel bedroht. Die Zahlen sind alle auf dem Tisch. Für die Brauer bestünde trotz der schlechten Ernte Deutschlands keine Einschränkung der Versorgung. (Kommentar folgt) ek

Foto: Eduard Kastner