Die Hallertau zeigte sich in starkem Sonnenschein, als der Hopfenpflanzerverband zur Hopfenrundfahrt 2026 bat. Der Einladung folgten wie alle Jahre Politiker, Behördenvertreter, der Hopfenhandel und Verbandsspitzen. Neben der Schirmherrin, der Bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, zeigte sich auch Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger, quasi als 2. Landwirtschaftsminister. Geschickt ließen die Organisatoren Michaela Kaniber den offiziellen Teil bestreiten, die Begrüßung, Pressekonferenz bis zum ersten Einhängen des Hopfens 26 und übergaben Hubert Aiwander beim letzten Rundfahrtsprogrammpunkt in Hüll das Mikrophon für eine ausführliche Rede zum Hallertauer Hopfenbau und seiner Zukunft.
Michaela Kaniber zeigte sich als große Unterstützerin des Hallertauer Hopfenbaus, als Patronin. Es werde alles versucht, neben Geldern aus Bayern auch finanzielle Hilfen aus Berlin und Brüssel zur Sicherung des bayerischen Hopfenbaus zu erhalten. Der Aufbau eines Bewässerungssystems für alle Hopfengärten sei unumgänglich, um dem Klimawandel zu begegnen. Adi Schapfl, Präsident des Deutschen Hopfenpflanzerverbands, schilderte die Probleme in 2026 mit Trockenheit und Hitze. Sie führen zu einer katastrophalen Ernte. Erstmals nannte Schapfl die Zahlen der Schätzung 2026: 28.750 to für die Hallertau, 33.779 to deutschlandweit. Diese Zahlen hatte die Ministerin noch nicht in ihrem Manuskript.
Auch Pascal Prioué, Vorsitzender des Hopfenwirtschaftsverbands (Handel und Veredler) und Chef von HopSteiner, verbesserte im mündlichen Vortrag seine hohen Erntemengen des veröffentlichten Manuskripts. Da auch die Länder Tschechien, Slowenien und Polen aufgrund des starken Sommers eine Minderernte erwarten, liege die Minderernte bei über 27 % oder 1.400 to Alpha. So wird „Ware aus den Lagern abfließen“. Doch warnte Piroué davor, deswegen weitere Flächenreduzierungen aufzugeben. Auch Piroué liegt es am Herzen, die Hallertau als größtes Hopfenanbaugebiet der Welt zu erhalten. Dazu müsse aber die Durchschnittsernte mit durchschnittlichem Alpha der Nachfrage entsprechen. Piroué relativierte die Ernteschätzung um den Alphagehalt. Er liegt 2026 weit unter dem Durchschnitt. Im Bus 2 wurde auf der anschließenden Fahrt zum Hof von Gerhard Kreitmair in Notzenhausen/Gemeinde Rudelzhausen vom Hopfenring das derzeitige Alpha-Monitoring des „Herkules“ veröffentlicht: 11 % Alpha. So wird bestenfalls bis zur Ernte nur noch 13 % eintreten (Durchschnittswert 16 %), wodurch das weltweite Alphadefizit gegenüber 25 über 40 %, also über 1.500 to liegen wird.
Das nutzte Hubert Aiwanger in seinem Statement, starke Entlastungen für die Hopfenpflanzer zu fordern: von der Mineralölsteuer, über die Bürokratie bis hin zur CO2-Abgabe. Die geplante Zuckersteuer dürfe auf keinen Fall alkoholfreies Bier erfassen. Aiwanger wollte den Hopfenpflanzern auch Mut machen: Neue Techniken wie Drohnen und Automatisierung brächten in Zukunft Kosteneinsparungen im Hopfenbau. Die Rede kam gut an. Davor stellte der Präsident der Gesellschaft für Hopfenforschung, Dr. Michael Möller, den neuen Institutsleiter Hülls vor: Robert Knöferl, da Dr. Dolleschal zum 1.8. in Ruhestand ging. Dr. Möller: Hüll habe schon mehrmals den deutschen Hopfenbau gerettet und wird es auch weiter schaffen. Zum Abschluss erklärte Simon Euringer die Neuerungen in Hüll, vor allem die neue Pflanzenschutzhalle, wo Pflanzenschutztests viel schneller durchgeführt werden können. Die Spülreste werden kompostativ abgebaut.
Die Hopfenrundfahrt dient auch den persönlichen Gesprächen. Sie kamen vor Beginn, auf dem Kreitmair-Hof und beim abschließenden Essen im Deutschen Hopfenmuseum nicht zu kurz. Die Grußwortgeber MdB Christian Moser, Bürgermeister Simon Zimmermann und stellvertretender Landrat Andreas Aichele blieben bis zum Schluss. Drei Busse waren nötig für die Fahrt durch die Hallertau. Alle lobten die perfekte Organisation. Roland Schleibinger sorgte an allen Orten für exzellenten Ton, was bisher nicht selbstverständlich war. Alle Behördenvertreter versprachen, unbürokratisch zu helfen in Anbetracht des großen Leids der Pflanzer aus der Missernte ’26 und den weiteren Gefährdungen durch den Klimawandel. ek
Foto: Eduard Kastner
