Die Künstliche Intelligenz (KI) ist nicht nur in aller Munde, sie wird als sehr wichtige Technologie bewertet, vergleichbar mit der Einführung des Internets. Entsprechend groß engagieren sich die Internetkonzerne. Sie errichten dazu riesige Rechenzentren. Ein Vielfaches ist in Planung. Dabei kann das heutige Angebot an KI-Software nur als Einstieg gesehen werden. Die Visionen laufen dahin, den Menschen mit seiner Intelligenz zu überrunden. Es werden deshalb weitere Quantensprünge bei den Programmen erwartet. Europa möchte dabei nicht abgehängt werden. Es sollen Konkurrenten zu Anthropic und Altmans Open AI entstehen. Dazu müssen Rechenzentren in großer Zahl auch in Europa gebaut werden. Mit ihnen wird die KI trainiert.
Es ist ein Wettlauf, bei dem die Schnelligkeit zählt. Unstreitig verfügen die USA über die höchsten finanziellen Mittel. Sie rechnen schon in Billionen. Europa muss also Investoren aus den USA gewinnen – ohne von ihnen zu sehr abhängig zu werden. Auch China will im Rennen bleiben. Dort steht derzeit der schnellste Computer der Welt. Mit dem Quantencomputer würde die Leistung tausendfach gesteigert werden können. Daran forschen auch die Europäer, konkret auch in München. Hierzu reichen die finanziellen Mittel. Doch ähnlich der Kernfusion kann niemand vorhersagen, wie lange sein verlässlicher Einsatz noch dauert. So lange muss in konventionelle Rechenzentren investiert werden. Doch auch bei den heutigen Prozessoren gibt es laufende Verbesserungen, so dass ein schrittweises Wachsen der Kapazitäten empfohlen wird.
Letztes Jahr wurde die Eröffnung des Rechenzentrums im Münchener Tucherpark groß gefeiert. Eine Milliarde Euro werden von der Telekom und anderen Investoren dort angelegt. Die Kapazität liegt derzeit bei 50 % des Endausbaus. Allein die Allianz will Rechenzentren für 200 Mrd. € errichten. In Europa besteht die Verpflichtung, nicht regenerativen Strom durch CO2-Zertifikate zu kompensieren. Die Allianz finanziert deshalb die Aufforstung Mauretaniens mit 5 Milliarden €. Daraus wird klar, dass es teurer ist, die Rechenzentren in Europa zu errichten. Hinzu kommen die Energiekosten. Sie liegen gerade in Deutschland sehr hoch. Bei der Verlegung von Stromleitungen, insbesondere von den Windkraftwerken der Nordsee in den Süden Deutschlands, offenbart sich eine Schwerfälligkeit, die die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands beeinträchtigt.
In Mainburg wollen unbekannte Investoren ein großes Rechenzentrum errichten. Doch nun bekommt auch Wolnzach eine Chance. In der letzten Gemeinderatssitzung zeigten Mitarbeiter von Patricia Kastner ihre Pläne. Entstehen soll das Rechenzentrum an der Schlagenhauser Mühle, wo die Familie Kastner über ein 8 ha. großes Grundstück verfügt. 2019 wurde dort ein Medienzentrum genehmigt, das aber wegen der Krise des graphischen Gewerbes (es wird immer weniger gedruckt) nicht mehr realisiert wurde. Aus dem geplanten Medienzentrum wird nun ein Rechenzentrum von knapp 20.000 m2 Fläche. Es könnte von einer Transformation gesprochen werden: vom analogen Drucken zur Hochleistungsdigitalisierung. Das Gebäude braucht nur eine Höhe von 7–8 Metern, wobei ein Innovationszentrum vorgesehen ist, in dem bis zu 200 Leute arbeiten können. Dieses würde um 4 Meter höher, aber einen Eyecatcher an der Vorderseite zur Staatsstraße bringen. Gedacht ist an temporäre Vermietung an Unternehmen, die sich der Rechenleistung bedienen. Das Gebäude soll begrünte Fassaden erhalten und wirkt wie ein Hopfengarten vor der Ernte. Bei den tragenden Elementen wird auf Holz gesetzt.
Für den Markt ergäben sich Vorteile über die Zukunftsfähigkeit und dem Ruf eines Technologiezentrums hinaus: Fernwärme aus der Ableitung des Kühlkreislaufs und kontinuierliche Gewerbesteuereinnahmen von über 1 Millionen €/Jahr. Die Nutzung des Innovationszentrums brächte der Hotellerie und Gastronomie zusätzliche Einnahmen, ebenso dem Einzelhandel. Mancher Besucher würde seinen Kundendienst in Wolnzach vornehmen lassen etc. Im Herbst soll sich der Wolnzacher Gemeinderat entscheiden, das Objekt zu befürworten. Bis dahin werden alle Fragen aus der Bevölkerung beantwortet. Patricia Kastner will die Wolnzacher mitnehmen in die Zukunft. Zwischenzeitlich soll der Strom für die ersten 12 MW mit dem Bayernwerk geklärt werden. 2028 soll/muss das Wolnzacher Rechenzentrum ans Netz gehen. ek