Alljährlich veröffentlicht der weltgrößte Hopfenhändler BarthHaas den „Barthbericht“, der die Lage am Hopfenmarkt darstellen will. Autor Heinrich Meyer erklärte seine Zahlen letzten Dienstag in einer Videopressekonferenz. Heuer geht es nicht um Feinheiten, ob z. B. der Alphagehalt für alle Sorten richtig berechnet ist bezogen auf den Brauwert, sondern einzig um die Tatsache, dass es durch Reduktion der Lieferverträge nicht gelungen ist, die Überproduktion zu beseitigen. Die schon prall gefüllten Läger bei Handel und Brauern werden also weiteren Zuwachs verkraften müssen. Für den Hopfenpflanzer bedeutet dies, dass Vorverträge noch schwieriger zu erhalten sein werden, dass die Preise sehr niedrig bleiben werden und der Freihopfenmarkt noch schlechtere Preise einbringt.
Sollten bei schlechten Verträgen durch Trockenheit, Hagel und Dürre die Vertragsmengen nicht erfüllt werden können, gerät der Betrieb in eine Existenzbedrohung, die zwar keiner will, aber Märkte sind eben hart. Durch die hohen Stillegungen in den USA hat die Hallertau wieder den Titel des größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiets der Welt. Das bedeutet aber auch, dass die Hallertau die größten Belastungen der Überproduktion zu tragen hat und eben auch die höchsten Risiken.
Ausgehend vom Biermarkt bestimmt der „Barthbericht“ die zum Brauen benötigte Hopfenmenge. Der Biermarkt weltweit stagniert. Er wächst lediglich in Afrika um 2,6 %. Für die Hopfenwirtschaft zählt viel mehr der leichte Rückgang der Craftbiere, wodurch die Hopfengaben statistisch sinken. Der Trend zu weniger Alkohol, der sehr zu begrüßen ist, läßt leichte und alkoholfreie Biere stark wachsen. Das mindert aber nicht den Hopfenbedarf. Er wird eher steigen, um den Geschmack alkoholfreien Bieres zu perfektionieren. BarthHaas hat dafür ein eigenes Seminarprogramm aufgelegt. Der Verlierer ist vielmehr der Wein, auch wenn er schon alkoholfrei angeboten wird. So wird in Frankreich bereits mehr Bier als Wein getrunken. Der Klimawandel zwingt zu mehr Trinken. Für Bier weltweit sieht die Perspektive nicht düster aus. Es gibt auch statistische Probleme, da in Deutschland z.B. alkoholfreies Bier nicht im Bierabsatz mitgezählt wird, obwohl schon mehr als 10 % der deutschen Biermenge darunter fallen. Deshalb verschob sich die Reihenfolge der Bierkonsumnationen und bei den größten Brauereien nicht viel.
Nach BarthHaas besteht ein Überhang an Alpha von 8.600 to. aus früheren Ernten (80 % eines Jahresbedarfs weltweit). Der resultiert aus der Umrechnung des Gesamtbrauwerts in Alpha, was alle Aromasorten benachteiligt. Noch dazu halten Pellets nicht so lange wie Extrakte. Entscheidend und unübersehbar sind übervolle Lager, wenn Brauer den eingekauften Hopfen nicht abrufen. Viele Brauer waren auf ein weiteres Wachstum eingestellt, das so nicht eingetreten ist. Von Seiten des Handels wurden die Klimaausfälle wie in den Jahren 2003 als zu hoch angenommen. Lagerhaltung sichert ab und ist bitter nötig, um ertragsschwache Jahre auszugleichen. Doch sind die Klimaschäden regional verschieden, so dass sich auch aus der regionalen Streuung der Hopfenproduktion ein Risikoausgleich einstellt. Die USA haben in 2026 ihre Fläche nicht mehr reduziert, während Deutschland/Hallertau weiter um 6 %/7 % abnehmen. So errechnet BarthHaas bei normaler Ernte für 2026 einen weltweiten Alphaüberhang, d.h. eingefahrene Hopfenmenge minus benötigte Hopfenmenge für das Braujahr 26/27 von 1.000 to. Alpha (in der Pressekonferenz 600 to.).
Nachdem in der Hallertau Ende 2025 20 % der Vorverträge ausliefen, überrascht die geschätzte Erntemengenreduktion von 7 %, die aus dem Flächenrückgang folgt. Es muss also Gründe gegeben haben, warum neue Verträge abgeschlossen wurden – zu sicherlich schlechteren Konditionen. So folgt auch für 2027 eine höhere Ernte als benötigt. Hierzu nennt BarthHaas keine Gründe. Vermutlich sieht die Praxis aufgrund der Brauerwünsche doch eine Notwendigkeit die Vielfalt der Sorten zu erhalten, was statistisch immer zu einer Übermenge an Hopfen führt. Eine Reduktion der Fläche der Hallertau in 2027 wird es geben, aber sie werden dem errechneten Alphaüberangebot nicht gerecht werden. Am deutlichsten wird dies bei „Herkules“ die Pflanzer überraschen. Jahrelang wurde in Herkules eingelegt zum Ausgleich von geringerer Nachfrage bei „Perle“ und „Tradition“. Nun gibt es auch beim „Herkules“ kaum mehr neue Verträge. ek