Gewerbeverband als Sieger

Februar 02, 2026

Für Alfred Hammerschmid und Thomas Wallner, die Vorsitzenden des Wolnzacher Gewerbeverbandes war es die erste Wahlkampfarena, die sie beim Grantlerwirt letzten Dienstag organisierten und moderierten. Vermutlich wird sie in diesem Wahlkampf auch die einzige bleiben. Viele Wolnzacher wollten sich ein Bild von allen Kandidaten verschaffen und so füllte sich der ehemalige Rezeptions- und Frühstücksbereich des Hotels Hallertau bis auf den letzten Platz. Einige sicherten sich Plätze schon eine Stunde vor Beginn. Die letzten Interessierten mussten Stehen. Aber alle passten rein. So viel Interesse zeugt von gelebter Demokratie, von Verantwortung bei der Stimmabgabe. Alle wollten erleben, wer für ihr geliebtes Wolnzach der Geeignetste ist.

Der Gewerbeverband legte die erste Redezeit für jeden Kandidaten auf 10 Minuten fest. Für den amtierenden Bürgermeister Jens Machold (CSU) ein Beweis seiner guten Rhetorik: Er kam exakt in freier Rede und ohne Manuskript nach 10 Minuten zum letzten Satz. Auf eigenen Wunsch trat er als erster Redner auf. Danach entschied das Los die Reihenfolge. Tanja Maier, die Kandidatin der SPD und bisherige Fraktionsvorsitzende, hatte viele Seiten an Redestoff auf die Bühne mitgenommen. Doch sie war nach 6 Minuten damit durch und fasste danach ihre Kernaussagen zusammen. Fabian Röhrich hatte schon 2020 für die FDP als Bürgermeister kandidiert. Nun ist er eh der einzige Gemeinderat der Freien Demokraten und übt das Wirtschaftsreferat aus. Im Gegensatz zu seinen zwei Vorrednern und den Nachrednern zeigte er kein Lampenfieber. Er sprach ja schließlich in seinem eigenen Haus.

Als vierter stieg Simon Zimmermann als Fraktionssprecher der Freien Wähler und Bürgermeisterkandidat auf die Bühne. Bei der letzten Stichwahl unterlag er Machold nur mit 87 Stimmen. Das gab ihm Selbstbewußtsein. Mit ihm sei wieder zu rechnen. Auch ihm genügte die Redezeit. In der Diskussion wurde versichert, dass es 2026 keine Wahlempfehlung der unterlegenen Parteien für die neue Stichwahl geben werde. Als letzter Kandidat ging Josef Schäch für die GfW ans Mikrofon – das bestens eingestellt war. Er ist nach 18 Jahren als erster Bürgermeister und derzeit zweiter Bürgermeister der Bewerber mit der größten lokalpolitischen Erfahrung, aber auch der älteste. Deshalb zeigte er sich bewusst jugendlich und trug Turnschuhe. Schäch hatte auch einige Anhänger mitgebracht, die ihn anfeuerten und zustimmend klatschten.

Der letzte Redner hatte den Vorteil, dass er alle Vorredner abschließend kommentieren konnte. Er lobte Fabian Röhrich, ging aber mit keinem zu hart ins Gericht. Alle fünf werden weiter im Gemeinderat sitzen und brauchen sich gegenseitig, um Mehrheiten zu erreichen: Eine Art große Koalition über alle Parteien. Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil der Lokalwahl 2026: die AfD sitzt weder im Gemeinderat, noch stellte sie einen Bürgermeisterkandidaten für Wolnzach auf. So störte auch niemand aus dem Publikum den Auftritt der demokratischen Kandidaten. Schäch kam mit der begrenzten Redezeit überhaupt nicht klar. „Ich wollte jetzt erst richtig loslegen“, kommentierte er sein Zwangredeende.

Nach einer Pause waren die Wähler aufgefordert, Fragen zu stellen, an wen von den fünf Kandidaten. So blieb Schäch doch noch Gelegenheit, das eine oder andere anzufügen. Fabian Röhrich plazierte deutlich die Aufforderung, ihn zu wählen. Das brachte Schwung in alle Aussagen und Erheiterung beim Publikum. Wieder hatten die Mitglieder des Gewerbeverbandsausschusses alles gut im Griff. Das Publikum blieb stets höflich und fair, auch wenn manche Ausführungen zu sehr in eigenen Statements verharrten. Als der Abend pünktlich nach 140 Minuten schloss, stand einer als Sieger schon fest: der ausrichtende Gewerbeverband, insbesondere seine Front-Leute. Er wird so auch weiter für die Durchführung von „Wahlarenen“ auserkoren sein, blieb völlig neutral und fair allen Kandidaten gegenüber, nützte keine Schwäche aus zur Bevorzugung eines Wunschkandidaten. Denn keiner der Agierenden sitzt selbst im Gemeinderat noch leitet er den Ortsverband einer Partei. In dieser Rolle gibt es nicht viele Gemeinden.

Der Applaus fiel stark für jeden Kandidaten aus. Alle zeigten Herz und Verantwortung für ihren Heimatort, wollten für Wolnzach anschieben, vieles beschleunigen, die Finanzen in Ordnung halten und die Lebensqualität im Markt und seinen Ortsteilen steigern. Wer in die Stichwahl kommt, war nach diesem Abend nicht vorherzusagen. ek