Die Königin-Wahl

August 17, 2026

Wenn die Hallertauer Hopfenkönigin gewählt wird, strömt die ganze Hallertau in die Wolnzacher Festhalle. Auch wenn das Prozedere Jahr für Jahr immer gleich bleibt – inklusive Moderator Alexander Nadler –, so bietet der Abend so viel Programm und positive Stimmung, dass alle gerne wieder kommen. Alles Ansinnen, eigene Hopfenhoheiten für die verschiedenen Siegelbezirke zu ernennen, gehört der Vergangenheit an. Der Hopfenthron steht in Wolnzach, so wie auch der Ausrichter, der Verband der Hallertauer Hopfenpflanzer (mit dem deutschen Verband) seinen Sitz in Wolnzach hat. Wenn nur zwei Bewerberinnen auf die Bühne gehen, gibt es nur einen Wahlgang, doch das Programm dauert gleich lang. Schließlich läuft dies bereits seit Jahren. 2025 war mit drei Kandidatinnen eine positive Ausnahme.

Die beiden Kandidatinnen, Luise Deuter aus Geisenhausen und Claudia Neumaier aus Tegernbach bei Au, gleichen sich in ihren Präsentationen vor der Wahl sehr. Schnell wurde allen klar, da gehen zwei Top-Vertreterinnen der Hallertau an den Start. Sie mögen sich auch: Als Alexander Nadler das Ergebnis spannungsreich verkündete hielten sich Luise und Claudia die Hand. Ein Wahlergebnis als gemeinsames Schicksal. Das verspricht eine Super-Regentschaft durch die beiden. Nadler verzichtete erstmals auf die Nennung der Wählerstimmen. „Es war knapp“, kommentierte er. So fühlte sich die Vizekönigin mehr als Königin, denn als Zweite. Luise Deuter kam womöglich zugute, dass sie Landwirtschaft in Weihenstephan studiert und bei der HVG ein mehrwöchiges Praktikum absolvierte.

In der Pressemitteilung des Pflanzerverbandes stand, dass es ein heißer Abend war, womit die Temperatur im „Festzelt“ gemeint war. Aber wann war es bei einer Hopfenköniginwahl mit 2.400 Gästen nicht heiß? Die Marktgemeinde versuchte in den letzten Wochen, eine Klimatisierung einzubauen, die aber am Widerstand der Nachbarn abgeblasen werden musste. Doch seit Samstag finden sich japanische Papierfächer an den Tischen, die auch rege genutzt werden: Die kleine Lösung der Belüftung – völlig nachhaltig und gleich kühlend. Hallertauer Einfallsreichtum.

Zur Wahl war überraschend der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger gekommen – und genoss den Abend sichtlich. Auf der Bühne hielt er eine echte Aschermittwoch-Rede, voller politischer Forderungen, diesmal rund um die Hopfenpflanzer. Sein Herz schlägt mehr für die Bauern als für Manager von Konzernen. Und als am Ende die Bayernhymne wie alle Jahre gesungen wurde, stand Aiwanger auf der Bühne – mit allen VIPs – und drehte ein 360-Grad-Video von seinen Nachbarn, den alten und neuen Hoheiten und dem Publikum. Das gab es von einem Minister in Wolnzach auch noch nie.

Wie immer gab es sehr viele Sponsoren für den Abend, auch das Auto für die Königin steht weiter zur Verfügung, kamen so viele Königinnen anderer Früchte Bayerns wie noch nie. Landrat Albert Gürtner stand bei den Gratulanten ganz vorne: Schließlich kommt die Königin nun aus seinem Landkreis. Der Stolz war ihm anzusehen. Am Montagabend gab es eigentlich nur Gewinner. Alle waren glücklich. Unter dem Tisch wurden die Schätzungen der Ernte 26 der verschiedenen Hopfenexperten herum gereicht. Sie wichen stark voneinander ab. Die Schätzkommission wird noch diese Woche ihr Gesamtergebnis ermitteln. Es soll aber erst zur Hopfenrundfahrt am 26. August bekannt gegeben werden. Aber vielleicht dringt es schon zum IGN-Hopfentag diesen Donnerstag durch? ek

Foto: Eduard Kastner