Durchbruch in der Krebstherapie

März 23, 2026

Rund 80 % aller Krebspatienten sterben nicht am Primärtumor, sondern am sog. Rezidiv, dem Wiederkommen des Krebses. Dieses Rezidiv führt sehr schnell zu Metastasen. Das Auftreten von Rezidiven kann nur wenige Monate nach Entfernen des Primärtumors erfolgen oder auch erst nach 20 Jahren. Meist ist auch die sog. „Nachsorge“ ungenügend. Es wird meist nur einmal jährlich untersucht, ob sich Metastasen bildeten. Dann sind aber die medizinischen Möglichkeiten (noch) zu begrenzt, um diese Metastasen erfolgreich zu bekämpfen. Allgemeine Chemos bewirken in der Regel nur eine Verzögerung des Metastasierens. Lediglich bei Brustkrebs-Metastasen schafft das Mittel „Enhertu“ von Daiichy Sankyo eine völlige Beseitigung.

Es galt also, die „Streuung“ zu erforschen und sie gezielt zu bekämpfen. Der Kreis der Wissenschaftler weltweit ist klein. Zu einem Kongress alle zwei Jahre kommen nur 300 Teilnehmer. Eine zentrale Rolle in der Forschung nimmt Prof. Klaus Pantel in Hamburg/Eppendorf ein. Seine frühere Assistentin, Prof. Sabine Kasimir-Bauer, leitet heute die Gynäkologie im Klinikum Essen und arbeitet dort seit 20 Jahren an einem Verfahren, bei Brustkrebs die Streuung zu beseitigen, bevor das Rezidiv auftritt. Tausende von Patientinnen wurden so erfolgreich behandelt. In 93 % aller Fälle sind die Brustkrebspatientinnen definitiv geheilt, treten keine Rezidive auf. Die 7 % Fehlerquote kommen aus der Analyse der Streuung zu Beginn der Therapie.

Vor 10 Jahren kamen diese Erkenntnisse an die TU München, Bereich Gynäkologie unter Prof. Kiechle. Sie ließ ihre Brustkrebspatientinnen mit demselben Verfahren behandeln – und es zeigten sich die Erfolge. Nun wird dieses Verfahren für alle Krebsarten eingesetzt. Ein eigenes Institut wurde dafür eingerichtet (Ismaninger Str. 22, München, 1. Untergeschoß direkt am Haupteingang). Die LMU ist ebenfalls voll angesprungen. Im Regensburger und Erlanger Uniklinikum wird damit begonnen. Dabei lehnte der Bayerische Gesundheitsminister vor vier Jahren es noch ab, den neuen Erkenntnissen zu folgen. Es wurde auf eine „Azure-Studie“ verwiesen, die das Gegenteilt behauptete. Die ursprüngliche Azure-Studie entstand vor 15 Jahren und hatte größte wissenschaftliche Mängel. Wer sie dann ohne neue Studien in die heutige Form brachte, hat viele Menschenleben auf dem Gewissen. Die onkologische Praxis hat diesen Unfug nun ausgelöscht.

Zum Verständnis soll die Streuung erklärt werden. Tumorzellen stoßen über einen gut erforschten Vorgang, dem EMT-Weg, sog. Circulating Tumor Cells (CTCs) ab, die überall im Körper verbreitet werden. Ihre Überlebensdauer ist weniger als 8 Stunden. Wenn sie aber ins Knochenmark gelangen, wo die Blutzellen gebildet werden, nisten sie sich in diesen Nischen ein, wo sie von den Knochenzellen (Osteoblasten und -clasten) ernährt werden. So können sie bis zu 25 Jahre dort überleben. Der Therapietrick liegt nun darin, die Osteoblasten und -clasten so zu stören, dass sie die Versorgung der CTCs einstellen. Ein Mittel dazu ist Zometa, ein sog. Biphosphonat. Es ist bestens erforscht und wird in der Onkologie seit über 20 Jahren eingesetzt, um bei Knochenmetastasen Knochenbrüche zu verringern. In ein Promille aller Fälle treten Kiefernekrosen auf. Dann muss das Zometa abgesetzt werden. Es sind aber Ersatzmittel vorhanden, die noch unter Patentschutz stehen und deshalb ein Vielfaches kosten. Die Behandlung darf zumindest in den ersten Monaten nicht abgesetzt werden, weil sonst das Rezidiv sofort eintritt.

Der zweite Erkenntnisdurchbruch: Es siedeln sich alle CTCs, gleich welcher Tumorart, in den Nischen des Knochenmarks an. Das Verfahren mit Zometa kann also für alle Krebsarten eingesetzt werden, selbst beim Gliablastom. Wie wird korrekt vorgegangen? Nach einer doppelten Biopsie des Beckenknochens wird mit einem von Prof. Pantel entwickelten Test festgestellt, ob CTCs bzw. sog. DTCs, wenn sie sich eingenistet haben, vorhanden sind. Bei positivem Ergebnis erhält der Patient monatliche Infusionen mit Zometa (4 mg in 100 ml). Nach 18 Monaten wird die Beckenbiopsie wiederholt und derselbe Test (sehr wichtig!) vorgenommen. Wenn er dann negativ ausfällt, ist der Patient von DTCs befreit und geheilt. Falls positiv, allerdings viel schwächer, wird das Verfahren um 6-12 Monate verlängert, bis ein negatives Ergebnis vorliegt.

Mit den vielen Tausenden von Patienten an den Unikliniken wird es so sehr leicht, Zometa für die Rezidiv Verhinderung zuzulassen und das Verfahren in alle Leitlinien aufzunehmen. Die Biopsien werden zur Routine wie in Essen. Lediglich die Pharmaindustrie wird das Nachsehen haben: Millionen von Rezidiv-Behandlungen mit Chemos, Immuntherapie etc. werden überflüssig. Prof. Pantel arbeitet daran, die Testgenauigkeit von 93 % auf 99 % anzuheben. Denn die Patienten, bei denen im 1. Test keine DTCs erkannt werden, obwohl sie vorhanden sind, sind so schlecht behandelt wie heute alle Krebspatienten. Übrigens: Denk-Pharma, München, stellt das Zometa her. 4 mg kosten um die 50 €, womit die durchschnittliche Rezidivverhinderungstherapie unter 2.500 € liegt. Die Krankenkassen müssten jubeln. ek