Der Wetterbericht sagte für den Sonntag Regen voraus. Für den Samstag stimmte die Prognose. Doch am Sonntag fiel kein Tropfen trotz geschlossener Wolkendecke über Wolnzach. Und die Leute kamen, besuchten die Dult und Geschäfte. Viel Interessierte bei den Landmaschinenhändlern. Ein guter Tag der offenen Türen. Der Märztermin ist immer der beste und so trat es auch gestern ein. Wegen der Stichwahlen eine Woche später waren auch alle Kandidaten in der Preysingstraße anzutreffen: die beiden Landratsbewerber Albert Gürtner und Andreas Aichele und Josef Schäch mit Simon Zimmermann um den Bürgermeister für Wolnzach. Die Stände der Parteien dominierten die Preysingstraße. Kaminkehrermeister Federl stand für die AfD wie immer am Haushaltswaren Wallner Anwesen.
Die SPD verzichtete auf einen eigenen Stand. Für sie ist der Wahlkampf worüber. Für die Freien Wähler traf von 13-14 Uhr sogar der Parteivorsitzende und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ein. MdL Karl Straub und Hopfenpflanzerverbandspräsident Adi Schapf verstärkten die CSU. So etwas gab es bei einem Tag der offenen Tür in Wolnzach noch nie. Wahlkampf inmitten Stände aus Süßigkeiten, Haushaltswaren, Kleider, Ostergeschenken und Fischsemmeln. Die Besucher kamen vorwiegend von auswärts. Wer aus Au oder Mainburg eintraf, staunte über die Wahlkampfszenarien. Wolnzach stand für den ganzen Landkreis. Das freute natürlich die Wolnzacher. Sie spekulierten, welche Wähler wie für den Bürgermeisterkandidaten bei der Stichwahl stimmen werden.
Am Rande des Zentrums sammelte das traditionelle Pferdegespann junge Familien zu einer Rundreise um den Ortskern ein. Ein besonderes Erlebnis Wolnzachs. Ursprünglich sollte das Pferdegespann zu den Geschäften fahren, die außerhalb des Zentrums geöffnet waren. Außer Landmaschinen Reith ist dies aber im Norden niemand mehr. Für die Supermärkte lohnte es sich nicht. Doch im Zentrum waren einige Geschäfte geöffnet – der Grund für das Abhalten des Tags der offenen Türen für den Gewerbeverband als Veranstalter. Hinzu muss immer eine Dult kommen, weshalb das Wetter dann erfolgsbestimmend ist. Im Hopfenmuseum zeigte der Wolnzacher Kunst- und Hobbykreis seine Jahresausstellung (siehe eigenen Bericht). Dem Gewerbeverband ist es immer wichtig, möglichst viele Programmpunkte zu vereinen. Gestern waren es eben die Parteistände. Früher wurden Stände für Direktvermarkter aufgebaut – Wolnzach als Genussort – oder die Marktkapelle spielte, um für den Nachwuchs zu werben. Auch die Feuerwehr hatte schon öfters zum Tag der offenen Türe an diesem Sonntag eingeladen.
Doch mit der Zeit schlief einiges ein. So ist Platz für neue Ideen. Landmaschinen Wallner hielt am Samstagabend eine Party vorwiegend für Junglandwirte. Es kamen 1000 Gäste. Ein riesiger Erfolg, den keiner so einfach für möglich gehalten hätte. Das ist umso erfreulicher, als der Hallertauer Hopfenbau in einer Rodungskrise steckt, sich also die Junglandwirte nicht unterkriegen lassen. Die Hallertau trotzt der Depression. 20% Flächenreduktion sind akzeptiert, damit für die restlichen 80% kostendeckende Preise erzielt werden.
Für die Tage der offenen Türen ist dies aber auch ein Weckruf. Wird es unter dem neuen Bürgermeister eine Ausweitung des Angebots und der Attraktionen geben? Musik in den Straßen des Zentrums wäre sicherlich stimmungsfördernd. Sie könnte auch aus Lautsprechern kommen. Oder warum lädt Aiwanger nicht zu einer Autogrammstunde ein, wenn er schon eine Stunde in Wolnzach zur Verfügung steht? Wer würde noch Besucher anziehen? Womöglich holen die Geschäfte Attraktionen nach Wolnzach wie bekannte Buchautoren? Auch die Holledauer Messe hätte bei einer Zusammenlegung der Termine den Tag der offenen Türen aufgewertet. Oder Vereine legen ihre Mitgliederwerbung bewusst auf den Tag der offenen Türen. Stände dafür hält der Markt Wolnzach vor. Sie könnten durch Demonstrationen der Vereinsaktivitäten erweitert werden. Genauso könnten Dienstleister ihre Kompetenzen zeigen. Diese Überlegungen treffen auf alle vier Termine des Gewerbeverbands zu. ek
Foto: Eduard Kastner
