Wahlplakate entscheiden

März 02, 2026

Eigentlich merkt man nur an den Plakaten und Transparenten an den Straßen, dass Wahlkampf herrscht. Das Plakat spielt noch eine klassische Rolle. Namen und Gesichter der Kandidaten werden erfahrbar. Für viele ist dies der einzige Kontakt zu den Bewerbern. So wichtig Soziale Medien sind, ihre Reichweite bleibt beschränkt. Wahlplakate wird es also noch sehr lange geben. Und es gilt: Wer nicht wahrgenommen wird, wird nicht gewinnen. Ebenso wichtig: Das Gesicht auf dem Plakat schafft Sympathien – oder auch nicht. Gerade bei denen, die die Kandidaten nicht persönlich kennen. Es kommt sehr auf den Gesichtsausdruck an. Er muss auch zum Slogan passen. Hier sind Profis gefragt.

Ein gutes Beispiel finden wir in München beim OB Dieter Reiter. Sein Gesicht strahlt Souveränität aus. Er ist Herr der Lage. Beim großen Herausforderer Clemens Baumgärtner waren nicht so gute Berater an Bord. Sein Gesicht versteckt sich hinter einer großen schwarzen Brille. Das schafft keine Sympathien. Die Slogans sind so schlecht und dürftig, dass keiner sie sich merkt. Bei der FDP (für den Stadtrat) finden sich gute Wahlstrategen: Wolfgang Heubisch wirkt sehr sympathisch und authentisch auf seinem Plakat. Es kann aber auch übertrieben werden: Patricia Riekel kommt als blonde Superfrau heraus, ihr Alter ist ihr nicht anzusehen. Frauenpower! In Wirklichkeit ist sie schon lange pensioniert und kaum wieder zu erkennen. Das Plakat zeigt eine virtuelle Tochter.

Großflächige Transparente gesellen sich zu den Papierplakaten. Ihre Größe beeindruckt, Slogans kommen besser an, sollten aber auch im Vorbeifahren aufgenommen werden können. Doch interessanterweise bleichen die Farben schneller aus. Womöglich waren sie schon viel schlechter als auf den Plakaten, als sie aufgehängt wurden. Nach zwei Wochen sind sie unansehnlich – verlieren ihre beabsichtigte Wirkung. Schade für den großen Aufwand von der Herstellung bis zur Errichtung. Warum keine bessere Technik verwendet wird, bleibt die Frage. Eventuell sind diese Transparente im Internet billig eingekauft? Dann wurde am falschen Platz gespart, denn der Wähler sieht sich nicht genügend gewürdigt. Der Kandidat mit der Qualität von Plakaten ist im Vorteil.

Besonders in der Stichwahl. Für sie werden deshalb Prospekte über die Post an alle Haushalte verteilt. Die Voranmeldefristen der Post sind aber lang. Wer zuerst im Haushalt eintrifft, hat einen Vorteil. So kommt es zum Paradoxon: Diese Prospekte werden schon vor dem 8.3. hergestellt, damit sie am 9.3. bei der Post angeliefert werden können. Doch wer kommt sicher in die Stichwahl? Amtsinhaber in Bayern setzen auf ihren Amtsbonus. ek