Andere Nummern sind einfach nicht mehr steigerbar wie z. B. die Akrobatik in weißen Stoffbahnen von Johanna und Julia Rath mit Franziska Pfab. Oder die Köhlers (Carboneros) mit ihren Jonglierrollen auf dünnen Seilen, das Philosophische Quartett (eigentlich ein Trio) mit ihren skurrilen Anspielungen auf die Ereignisse im Markt, die Magie von Rudi Hopperfield oder die Fackelschwinger (Imagenes de fuego) mit ihren Lichtfiguren. Da wird über „Laien“ geschrieben, doch selbst die Kleinsten spielen ihre Rolle wie Profis, die Familiennummern entwickeln sich, erfinden sich stets neu – wo sollen da noch Unerfahrene sein?
Was auch immer verwundert: Alle Kostüme sind perfekt geschneidert, jede Technik wird voll beherrscht, die Nummern greifen ineinander wie wenn sie ständig aufgeführt würden. Jeder Helfer weiß, was zu tun ist. Diese Routine, diese Abläufe zeigen Professionalität. Wer führt eigentlich Regie? Bei über 100 Darstellern und Akteuren gelingt sie wie von Geisterhand. Der Aufbau der Arena und der einzelnen Utensilien, die Licht- und Tontechnik geschieht in wenigen Wochenenden. Und am Freitagabend wird schon der Abbau eingeleitet. Das alles braucht einlagern auf kleinstem Raum, mit entsprechenden Fahrzeugen. Organisation, die mit Leidenschaft und völlig ehrenamtlich abläuft bis hin zum phantasievollen Programmheft, finanziert aus Anzeigen. Jede Ausgabe ähnelt der vorhergehenden, wird aber immer besser.
Der Zirkus ´26 bekam das Motto „Schwerelos durchs Gaudiversum“. Eine Rakete stand im Mittelpunkt der ersten Nummer. Die Kostüme der Weltraumdamen trugen Leuchten, die allesamt angingen. Ein Volltreffer an neuen Visionen und Bilderwelten. So etwas hat nicht einmal Circus Krone. Und die Pferde von Galaxy Gallop wurden durch „Steckenpferde“ ersetzt – eine Nummer der Skurrilität. Das Publikum ging begeistert mit. Noch ein Lob für den Zirkus `26: Es gab keine Nummer, die wie früher als zweitklassig auffiel, als Lückenfüller. Dabei blicken wir auch zurück auf Hochleistungsgerätschaften, die schon lange nicht mehr in Einsatz gekommen sind, wie z.B. Seilakrobatik.
Wie selbstverständlich nimmt das Publikum hin, dass sich Zirukusdirektor und Conferencier Georg Hölzl fast bei jeder Nummer, die er ankündigt, in einem anderen, meist glitzernden Frack zeigt. Sicher geht auf sein Konto, dass der Verein so exzellent läuft, so leidenschaftlich bliebt. Die Wolnzacher sind auf „ihren“ Zirkus mehr als stolz. Früher meinten wir, dass wir mit solch einem Faschingszirkus in ganz Bayern einzig sind. Heute hat sich dieser Stolz gesteigert: Dass dieser Zirkus so perfekt, so toll geworden ist. Unterhaltung auf höchstem Niveau. Alles entstand mit alltäglichen Mitbürgern, liegt weit über Theaterspiele, Aufführungen von Musikkapellen oder Festzügen. Eigentlich müsste jedes Vereinsmitglied einen Orden des Ministerpräsidenten bekommen. Denn so etwas ist wirklich ein Superlativ, wie Söder gerne sein Bayern darstellt. Oder einfach ehrlich ausgedrückt: Tonelli ihr seid einsame Spitze! ek
Foto: Eduard Kastner
