Die digitale Welt bekommt medizinische Grenzen. So mehren sich Studien in den letzten Wochen, die belegen, dass bei Kleinkindern die längere Nutzung des Handys zur Gehirnschädigung führt. Es sollen Eltern aufgeklärt werden, dass mit dem Handy in der Hand 1-2-Jährige zwar ruhiggestellt sind, doch dass sich dies sehr negativ für das Kind auswirkt. In zunehmendem Alter beeinflussen Soziale Medien Jugendliche. Viele Heranwachsende hängen viele Stunden täglich am Handy. Hier warnen Psychologen vor starken Beeinträchtigungen der Psyche. Es wird von „digitalem Autismus“ gesprochen. Einige Länder setzen bereits Altersgrenzen für die Handynutzung.
Doch das Phänomen betrifft selbst Erwachsene. Das Angebot an Spielen, Informationen, Vernetzung und ständiger Erreichbarkeit ist so gigantisch, dass mittlerweile jeder deutsche Bürger im Schnitt mehrere Stunden jeden Tag auf einen Computer und das Handydisplay schaut. Social Media führen zu einer Veränderung der Wahrnehmung der Welt. Trotz Kontakts zu anderen Computern und Handys tritt eine Vereinsamung des Nutzers ein. Das vermehrte Aufkommen von Amokläufen und Messerattacken wird der Isolierung der Täter vom normalen sozialen Umfeld zugeschrieben. Daneben besteht das Phänomen der Handy-Sucht. Unsere Gesellschaft erkrankt an der Digitalisierung.
Deshalb wird vermehrt nach Ausgleichsaktivitäten gesucht. Unstreitig hilft der Sport, wenn er physisch ausgetragen wird bis hin zur Gymnastik und Tanz. Jede reale Versammlung neutralisiert ebenfalls die Handy-Welt. Am interessantesten zeigt sich die Begehung des Waldes als heilendes Gegengewicht. Dazu entstehen gerade Studien z.B. an der LMU München. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bildet Lehrer und Kindergärtnerinnen zu Waldkennern aus, damit sie Kinder und Jugendliche bewußt in den Wald führen und den Wald in seiner großen Vielfalt an Flora und Fauna erklären. Sie stellen fest, dass jedes Kind aus dem Wald anders herauskommt als es hineingeht. Schon wenige Stunden entpuppen sich als heilbringender Ausgleich. Das alles wird möglich, weil die Schutzgemeinschaft von großen Firmen beachtliche Spenden bekommt. Es geht dabei nicht nur um das Pflanzen von neuen Bäumen zur Klimarettung, sondern auch um den realen pädagogischen Effekt.
Wer im Kindergarten einen Baum pflanzt, wird ihn immer wieder aufsuchen und erlebt sein Wachstum. Waldkindergärten sind nicht nur billig in ihrer Errichtung, sie führen ganz anders in die Welt ein. Diese Kinder bekommen einen Schutzschirm gegen digitale Vereinsamung. Das Hallertau Gymnasium Wolnzach hat mit seinem Förderverein ein grünes Klassenzimmer angelegt. Der Unterricht in der Natur wird gerade erforscht. Die Anzahl an Schulwäldern wächst ständig. Pfaffenhofen hat bereits einen. Auch hier erfolgt professionelle Betreuung durch die Schutzgemeinschaft. Das Wissen zur Waldpädagogik wurde in Ordnern zusammengefasst, die mittlerweile vielfach benutzt werden. ek