Wenn ein Vertreter der deutschen Chemieindustrie im Fernsehen die Einstellung der CO2-Zertifikate fordert, dann hat diese Industrie die Dringlichkeit des Klimaschutzes nicht begriffen. Die Belastung von CO2-Emittenten mit den Kosten für die CO2-Zertifikate ist das Kernstück des Green Deals der EU. Nicht Vorschriften erlassen, was zu tun ist, sondern die Kräfte des Marktes zu nutzen, um CO2-Emissionen zu minimieren und damit die Kreativität zur CO2-Senkung in Gang zu setzen. Die Wirtschaft schiebt ihre Konkurrenzfähigkeit als Argument vor. So seien europäische Unternehmen benachteiligt gegenüber Unternehmen in Ländern, die es mit dem Klimaschutz nicht so genau nehmen. Trump, ein Leugner des Klimawandels, schont seine Industrie vor Auflagen zum Klimaschutz. Nach seinen Zöllen für Importe entsteht eine zweite Ebene von „America First“.
Die europäischen Unternehmen, die auf den Export in die USA angewiesen sind, bringen nun die Rezession und die schwindenden Geschäftsaussichten ins Spiel. Die Politik will auch verhindern, dass Industrieunternehmen Deutschland oder sogar Europa verlassen. Der viel zu teure deutsche Strom genügt schon als Drohkulisse. Klimaschutzmaßnahmen sind sehr teuer. Angeschlagene Unternehmen können sie sich nicht leisten. So kommt nun Europa in den Sog der USA, den Klimaschutz aufzugeben.
Hinzu kommen die wirtschaftlichen Interessen der erdölfördernden Länder. Die USA gehören auch zu ihnen. In Brüssel geben Lobbyisten der Erdölindustrie sehr viel Geld für ihre Beeinflussung aus. Es liegt auch das Schlagwort in der Luft: Öl regiert die Welt. So kommt es zur Machtprobe zwischen der Öl-Lobby und dem Green Deal. Jetzt muss die EU begreifen, dass eine Klimarettung nur im Schulterschluss mit den USA, China und anderen Ländern mit hohem Energiebedarf möglich ist. Europa und besonders Deutschland unter Merkel zögerten sowieso den Klimaschutz hinaus, verschob die großen Anstrengungen bis 2045 klimaneutral zu werden, auf die davor liegenden Jahre. Womöglich setzte man auf die größere Not, die dann schon herrscht aus den gestiegenen Temperaturen. Hinzu kommt eine erschütternde Klimaillusion. Es gibt nur wenige, die wahrhaben, dass das Erreichen der Pariser Klimaziele in 2050 – einmal als möglich unterstellt – nicht das postulierte 1,5–2-Grad-Ziel ergibt. Nein, wir werden mindestens bei 4 Grad liegen – bei Erfüllung. Da wir in Europa schon jetzt eine Erhöhung von über 2,5 Grad C verzeichnen und wir durch die immer noch steigenden CO2-Emissionen nie und nimmer eine Abnahme der Durchschnittstemperaturen noch bekommen, ist mit CO2-Vermeidung die Katastrophe von 4 Grad nicht mehr abzuwenden.
Ein klares Zeichen dafür ist die Erwärmung der Weltmeere. Sie liegt auch deutlich über 2 Grad. Es gibt Regionen um den Äquator da herrschen Wassertemperaturen von über 35 Grad – Tendenz steigend. Die 100.000 Experten, die nun in Brasilien sich zur Weltklimakonferenz treffen, müssten einfach diese Tatsachen und die Richtung der Entwicklung wahrnehmen. Wenn aber die Klimaillusion platzt, wird Weltuntergangsstimmung herrschen. Womöglich führt dies zu einer Aufgabe der Bestrebungen, dem Klimawandel entgegen zu treten. Heute wird schon oft von Anpassung an den Klimawandel gesprochen. Doch die Realitäten sind Wassermangel, starke Ausdehnung der Wüsten, Vervielfachung von Waldbränden und Sturzfluten sowie eine Meeresspiegelerhöhung, die alle Küstenstädte untergehen lässt.
Es muss in die entgegengesetzte Richtung agiert werden: Das CO2-Zertifizierungsverfahren muss weltweit eingeführt und durchgesetzt werden. Es darf dann kein Verschenken von Zertifikaten mehr geben. Solche Entscheidungen müssen auf den Weltklimakonferenzen fallen. Sie könnten den Einfluss der UNO wieder stärken. Trump passt nicht in die neue nötige Weltordnung. Zum Gleichschritt müssen die Nationen so viel wie möglich unternehmen, dem Klimawandel entgegen zu treten. Das Fördern von Öl und Gas muss als Sünde deklariert werden. Die Wirtschaft weltweit muss zusammenarbeiten, also weg mit den Zöllen. Nur mit einer starken Weltwirtschaft werden wir die sehr großen Anstrengungen der Transformation bewältigen. Kriege und Atomwaffentests sind fehl am Platz, binden Reserven, die wir zur Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre brauchen. Nur so lässt sich das 1,5-Grad-Ziel noch erreichen, also von rückwärts kommend. ek