Hüll feiert seinen 100.

Juni 22, 2026

Hüll ist ein Ortsteil Wolnzachs, spielt aber international eine viel größere Rolle als der Markt selbst. Das liegt an der Hopfenforschung, die weltweit als die beste gilt, vor allem, weil sie allen Brauern und Pflanzern der Welt ihre Ergebnisse zur Verfügung stellt. Das geht nur ein einem reichen Land. Der Freistaat Bayern finanziert 22 Mitarbeiter, die in Hüll arbeiten und forschen, 11 davon haben höchste universitäre Ausbildung. Gegründet wurde das Hüller Institut freilich von der Deutschen Gesellschaft für Hopfenforschung und dahinter dem Bayerischen Brauerbund. Denn 1924 drohte eine Pilzkrankheit, die Peronospora, den Hallertauer Hopfenbau zu zerstören. Doch der 1. Geschäftsführer der Gesellschaft, Hugo Hampp, schaute den Einsatz von Kupferkalkbrühe aus dem Weinbau ab, organisierte mit Zuschüssen Spritzen und 1927 konnte eine gute Ernte eingefahren werden. Hampp bzw. Hüll gilt seither als „Retter der Hallertau“.

Unter dem bayerischen Landwirtschaftsminister Dr. Hans Eisenmann wurde 1974 eine Private-Public-Partnership (ppp) geschlossen: Das Personal wird vom Staat über die Landesanstalt für Landwirtschaft gestellt, die Ausrüstung wie Gewächshäuser und Labore finanziert die Gesellschaft für Hopfenforschung. Mit dem Verkauf des Guts Hüll an Anheuser-Busch wurden neue Finanzreserven locker gemacht – und der weltweit größte Bierbrauer zum Liebhaber bayerischen Hopfens gewonnen. So flossen weitere große Spenden. Andere internationale Brauer schlossen sich an. Hüll wurde zum Erfolgsmodell von ppp. Auch wenn die Nachfolge Dr. Eisenmanns noch nicht dieses Verständnis hatten, keiner kürzte den Aufwand für Hüll.

In den 50er Jahren kam die Konkurrenz des hallertauer Hopfenbaus mit den US-Erzeugern auf. Die US-Hopfen hatten wesentlich mehr Alpha aufzuweisen. So rettete die Hüller Züchtung die Hallertau ein zweites Mal mit Sorten „Magnum“ und dann dem starken „Herkules“. Deutschland eroberte seinen Titel des Marktführers zurück. 34 % aller verbrauten Hopfen weltweit kommen heute aus deutschen Anbaugebieten (USA: 33 %). Nun steht die Züchtung trockenheitsresilienter Sorten an, um dem Klimawandel zu begegnen. Hüll garantiert, dass die Hallertau das weltweit größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet bleibt. Letztes Wochenende wurde der 100. Geburtstag des Forschungsinstituts gefeiert, nicht überschwenglich wegen der derzeitigen Gesundschrumpfungskrise des Welthopfenbaus, aber stilvoll, gebührend, den Mitarbeitern sollte gedankt werden.

Dazu war auf der Busch-Farm ein Festzelt errichtet worden. Das Programm startete am Samstag um 13 Uhr mit Weißwürsten, Bier und einem Symposium. Die Hallertauer Hopfenkönigin Therese Eisenrieder führte durch die Veranstaltungspunkte. Zuerst interviewte sie LfL-Präsident Stephan Sedlmayer und GfH-Präsidenten Dr. Michael Möller zu ihren Erinnerungen, zukünftigen Perspektiven und ihren Blick auf das sog. „Hans-Pfülf-Institut“. Danach ging Günther Thömmes, der „Bierzauberer“, auf die Geschichte des Hopfenbaus, der Hallertau und des Instituts ein. Dr. Sebastian Gressert, der derzeitige Forschungskoordinator, blickte in die Zukunft, wo die Forschungsschwerpunkte liegen. Danach besuchten die rund 100 Gäste Betriebe wie die Verarbeitung in St. Johann, einen Hopfenpflanzer mit Lehrpfad und Hop-Steiner in Mainburg.

Gegen 18 Uhr kehrten alle nach Hüll zurück, wo um 19 Uhr der Festabend gehalten wurde mit der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber als Hauptrednerin. Exzellent und mit Charme vorgetragen zeigte Kaniber ihren tiefen Hopfensachverstand, ging auf alle zukünftigen Herausforderungen ein. Doch der wichtigste Satz lautete: „An Hüll und unserem Engagement für den Hopfenbau wird nicht gespart, noch gerüttelt“. Das löste Sonderapplaus aus – manche kannten noch das Zittern um die Existenz des Instituts unter ihren Vorgängern. Es war eine Feier unter sich: Wissenschaft, Handel, der Hausherr (Anheuser-Busch Inbev), Politiker und Behördenvertreter, die derzeitigen und früheren Mitarbeiter, die Verbände und Mitglieder kamen trotz der 35 Grad Außentemperatur. Die Brauer hatten den Weg gescheut. Sie vertrauen auf Hüll auch so. Mit einem Tanz zu Saxophon-Klängen unter Zeltplanen klang der Abend aus. Am Sonntag stand das Institut in vollem Umfang allen Besuchern als „Tag der offenen Tür“ zur Besichtigung frei. Ein neues Pflanzenschutzprozess-Zentrum wurde eröffnet. GfH-Geschäftsführer Walter König und sein Team hatten alles bestens inszeniert. ek

Foto: Eduard Kastner