Das Pfaffenhofener Krankenhaus wird gerade von Grund auf renoviert, für viele Millionen. Es entstanden bereits einige Nebengebäude für die Unterbringung des Personals u.v.a. Zugleich zählt dieses Krankenhaus zu den ganz großen Sorgenkindern im Kreishaushalt. Die von den Kassen und vom Staat gezahlten Beträge für Leistungen und Bereitschaften reichen bei weitem nicht aus, die Kosten zu decken. Jahr für Jahr muss der lokale Steuerzahler einspringen, um über die Kreisumlage Millionenbeträge an Verlusten auszugleichen. Ein Systemfehler? Eigentlich sollten die Erstattungen der Krankenhassen ausreichen, das Geleistete zu vergüten. Auch die Krankenkassen kämpfen gegen Milliardenverluste. Dabei zahlen die Deutschen mehr an die Krankenkassen als in anderen Ländern.
Gerade hat Ilmtal-Klinik-Manager Christian Degen für sein Krankenhaus Leistungen beantragt, d.h. was darf und muss in der Ilmtalklinik behandelt werden. Von den 65 Leistungsarten sollen in Pfaffenhofen 17 weiterlaufen. Neben dem Abschneiden bisheriger Leistungen durch die Krankenhausaufsicht rechnet Degen auch mit zusätzlichen Eingriffen. So wäre die durchschnittliche Verweildauer pro Patient zu straffen. Es kämpft also eine bestehende Krankenhausstruktur gegen die Aufsicht. Und diese Krankenhausstruktur verursacht die Millionenverluste. Die Aufsicht gibt nur Leitplanken vor, so dass die Verluste auf Umwegen nie verschwinden. Bei privat, also von Unternehmen geführte Krankenhäuser werden Verluste durch Management bewusst ausgeschaltet. Entsprechend passt die Kostenstruktur zu den Leistungen. So wird die Auslastung maximiert. Viele dieser privaten Krankenhäuser wie Asklepios oder Schön bieten beste Qualität medizinischer Versorgung. Als Unternehmen liegt ihnen die Kunden- sprich Patientenzufriedenheit am Herzen.
Für die Region 10 steht eine Neuorganisation an. Das Klinikum Ingolstadt übernimmt die Zuteilung. Es führt alle Leistungen aus, hat also die Spezialisten. Die Kliniken von Pfaffenhofen, Neuburg, Schrobenhausen, Eichstätt und Kösching werden die Grundversorgung sichern, aber manche bisherige Spezialisierung abgeben. Auch die Bettenzahl muss deutlich reduziert werden und damit Allgemeinpersonal. Derzeit wird dazu ein Gutachten erstellt, das Ende Juni vorliegen soll. Es wird der Krankenhausaufsicht in die Hand spielen. Dann wird auch die politische Diskussion einsetzen. Am 15. Juli wird Dr. Andreas Tiete, Chef des Ingolstädter Klinikums, im Wirtschaftsbeirat dazu seine Sicht abgeben. Dabei können auch Gäste teilnehmen. Politiker täten gut, sich beim Wirtschaftsbeirat anzumelden.
Das Krankenhausthema kann wahlentscheidend sein. In Mainburg/Kelheim kostete es dem Bürgermeister und Landrat den Posten. Sie verteidigten das Mainburger Krankenhaus nicht so stark wie es die Mehrheit der Wähler erwartete. An Mainburg kann aber leicht abgesehen werden, was finanzierbar ist. Als Unterabteilung der Ilmtalklinik wird es nur die Leistungen behalten, die nötig sind wie z.B. Behandlung von Schlaganfällen und Herzinfarkten, Unfällen, Geburten und Geriatrie. Nach der Erstversorgung geht es zum Spezialisten oder nach Hause. Dabei spielt nicht nur eine Rolle, wie weit die Klinik vom Krankheitseintritt entfernt ist, sondern auch wie weit Verwandte und Freunde zum Krankenbesuch fahren müssen und da dies mit öffentlichen Verkehrsmitteln zumutbar ist.
Eigentlich müsste Dr. Tiete die Brille des Managers einer Privatklinik aufsetzen und das ganze Gebiet durchorganisieren. So ergibt sich die Chance, alle Häuser auf tragfähige Beine zu stellen, so dass keines geschlossen werden muss. Ein Privatkrankenhaus in Neuburg hat sich der Gefolgschaft verweigert. Das ist aber kein Problem, da die Gesamtorganisationsmasse groß genug bleibt. Die Klinik wird in ihrer Gesamtleistung vom Gesamtvolumen abgezogen – jeweils bezogen auf die Leistungen – und dieses Restvolumen optimiert. Für Wolnzach und den südlichen Landkreis Pfaffenhofen wird sicherlich der Einfluss Münchens zu berücksichtigen sein. Manche Spezialbereiche werden immer in Großstädte abwandern. Doch dieser Faktor ist bekannt. Am Ende des Prozesses wird die Ilmtalklinik um 30 % schrumpfen. Vielleicht sollten doch nicht alle Zimmer jetzt schon renoviert werden. ek