Der schwierige Strommarkt

Mai 26, 2026

Deutschland klagt über zu teure Energie, vielfach eingegrenzt auf zu teuren Strom. Tatsächlich lebt der Produktionsstandort Deutschland von hoher Bildung (maximale Automatisierung und neue Produkte) und der Energie zur Herstellung. Die Bürokratie kommt in dieser einfachen Rechnung gar nicht vor, ebenso wenig wie die teure Bestrebung, nachhaltig/CO₂-frei zu werden. Gas spielt dabei eine mittlere Prozessrolle: Für viele Industriebetriebe ist es ein Teil der Energie neben Strom, für die Haushalte eine günstigere Energiequelle als Öl. Wird Gas zur Stromerzeugung eingesetzt, muss diese subventioniert werden. Das Beispiel Spanien rechnet dies vor.

Nun will Wirtschaftsministerin Katharina Reiche mindestens 11 Gaskraftwerke bauen, um die Stromversorgung zu sichern. In den Wintermonaten liefert Solar viel zu wenig Strom. Auch die Windkraft kann stottern. Sogenannte „Kaltflauten“ sind die Folge. Eine Todsünde der Energieversorgung für Industrie, aber auch für Haushalte. Spätestens hier müsste sich von Solarstrom verabschiedet werden. Doch nein, im Sommer muss noch an das Ausland bezahlt werden, diesen Strom abzunehmen – um ihn dann im Boden zu vernichten. Das hätten wir also billiger machen können. Es ist also richtig, die Solarstromerzeugung kritisch zu sehen, auch wenn Solarstrom so richtig bei der Bevölkerung angekommen ist. Vielleicht liegen die Sympathien für Balkonkraftwerke und dem verendeten Wal Timmy nicht weit auseinander.

Wenn nun Stromexperten zur Entscheidung Reiches befragt werden, geben sie der Gaskraftwerke-Entscheidung der Ministerin unumwunden recht. Doch sie hoffen, dass durch Einsparungen von Strom die Mindestgröße nicht erhöht werden müsse. Doch da fragt sich schon, in welcher (grünen) Traumwelt diese sogenannten Experten leben. Es soll die Elektromobilität stark gesteigert werden, was eben ein mehr an Strombedarf ergibt. Ebenso wenn mehr Zug als Auto das Ziel ist. Von Wärmepumpen wissen wir, welche Stromfresser sie sind. Wenn wir mehr von ihnen wollen/fordern müssen wir den Strom dazu liefern. Gerade im Winter, in der „Kaltflaute“.

Das ist aber nur die direkte Rechnung. Europa muss bei den Rechenzentren aufrüsten, um im KI-Zeitalter mit den USA und China mithalten zu können. Allein Blockchain frisst so viel Energie/Strom wie Dänemark benötigt. KI in 2035 wird so viel Strom verschlingen wie Deutschland heute verbraucht. Das schaffen regenerative Energien nicht. Dann müssten in der Kaltflaute 1000 Gaskraftwerke arbeiten. Und nun sollen auch noch die aus Stromkosten-Sicht günstigen Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Das geht schlichtweg nicht mehr. Entweder Strom = Wohlstand oder Klimaschutz = Stillstand. Schon heute hat sich die Politik für den Strom entschieden. Die Stilllegung der Kohlekraftwerke ist also eine Mähr. Wir sollten das besser heute erklären. Aber dann hat Katharina Reiche das ganz große Problem.

Die Merz-Regierung proklamiert Innovationen, um dem Klimawandel zu entgegnen. Es gibt sie, aber die Merz-Regierung will sie nicht unterstützen. Auch die EU-Politiker bekommen diese Innovationen auf dem Präsentierteller – und unternehmen nichts. Ist die Industrie dagegen oder die Erdöllobby? Da wird schlechtgeredet oder schlichtweg fehlt der Glaube. Aber haben sie eine Alternative? Wenn schon das Wasser bis zur Brust steht, würde ich diese Technologien prüfen und entwickeln. Es kann doch nicht an Logik fehlen, dass Klimaschutz nicht nur CO₂-Verhinderung bedeutet, sondern sich an der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre misst. Jede Erhöhung schadet dem Klima. Jede Verminderung des CO₂-Gehalts zeigt den Weg zum Himmel, zum Überleben der Zivilisation. Aber wer hat schon den Weg zur Verminderung verstanden? Mangels Lösungen, wird er negiert. Das ist Vogel-Strauß-Politik. In Demokratien sind sie sinnlos, ja lächerlich. Aber AfD und Trump sind noch schlimmer: Sie negieren den menschengemachten Klimawandel. Doch ihr Scheiterhaufen brennt bereits – klimagemacht. ek