Die geopolitische Weltlage sorgt für ständige Krisen in fast allen Ländern. Auf der einen Seite Energieknappheit und gestiegene Preise, andererseits gefährdete Lieferketten. So sorgte der Ausfall von Nordstream für hohe Gaspreise in Deutschland, die bis zu den Strompreisen durchschlugen. Wasserstoff scheidet als Alternative aus, der Preis ist viel zu hoch, es entwickeln sich deshalb keine Kapazitäten. Und so wird es bleiben. Hat der Iran-Krieg die Bedrohung Israels beseitigt, wenn er jetzt eingestellt würde? Vermutlich nicht, aber es ist Zeit von 2–3 Jahren gewonnen worden. Vielleicht stürzt das Mullah-Regime bis dahin? Schon steht der Taiwan-Krieg ins Haus. Xi Jingping hat ihn für 2027 angekündigt. Dann wird es noch kritischer: Die Chips aus Taiwan werden ausfallen. Bei Sanktionen gegen China werden dem größten Teil unserer Arzneimittelherstellung die Vorprodukte fehlen, ebenso wie seltene Erden, Batteriegrundsegmente und andere Rohstoffe.
Ähnlich wie in der Verteidigung muss nun viel Geld in die Hand genommen werden, um die Chipfabrikation in Europa aufzubauen oder die Grundstoffe der Pharmaprodukte. Es können ja die bisherigen Lieferungen mit Zöllen erschwert werden, so dass sich die heimische Produktion wieder lohnt. Aber es muss schnell und entschlossen gehandelt werden. Die Problemerkennung und -diskussion allein nützt nichts. Statt eines Lieferkettengesetzes soll die europäische Wirtschaft neue Lieferketten aufbauen, die von China, den USA und Russland nicht bedroht werden können. Dann sind sie sicherlich auch fair. Wenn Europa selbstbestimmt und konsequent auftritt, wird dies seine Stellung in der Welt erhöhen. Andererseits erfordern diese Herausforderungen eine starke Führung Europas. Europa muss mit einer Stimme sprechen.
Krisenherde müssen auch schneller angegangen werden. Warum gelingt es den USA nicht, die Straße von Hormus so zu besetzen, dass auf voller Länge alle Raketen und Drohnen Irans auf See abgefangen werden? Die iranischen Schnellboote sind mit der Luftwaffe zu eliminieren. Das würde auch den Waffenstillstand nicht berühren. So wie Israel im Libanon immer noch im versteckten Krieg gezielt die Hisbollah angreift, kann die Straße von Hormus wieder für die Schiffahrt durch Abwehr freibekommen werden. Die NATO-Verbündeten wären allesamt bereit, die Kette der Abwehrschiffe zu verlängern, wenn damit die Energiekrise behoben wird. Generell müssen alle neuralgischen Punkte im Weltverkehr strategisch durchdacht und Einsatzprogramme aufgestellt werden. So werden Lücken in der Abwehr erkannt und sie müssen geschlossen werden. Überhaupt ist entschlossenes Handeln nötig: Wenn Trump Europa mit neuen Zöllen belegen will, dann muss der Richterspruch des Supreme Courts durchgesetzt werden. Und Merz darf seine Kritik an Trump nicht über die Medien verbreiten. Dafür gibt es Telefonate.
Das strategische Denken Europas wird den Westen wieder zusammen führen. Schließlich müssen alle potentiellen Krisen gemeinsam gelöst werden. Vielleicht führt das Durchsprechen von Szenarien auch zu einer Abwendung des Krisenverursachers. Wenn Abschreckung gelingt, verhindert sie den Krieg. Erst jetzt wird bekannt, wie viele Abnehmer in der EU von russischem Öl und Gas es bis vor kurzem noch gegeben hat. Die EU hat also Putins Krieg gegen die Ukraine bezahlt. Und jetzt fordert Trump, dieses Embargo aufzuheben, um den Ölpreis zu senken. Wenigstens folgt dem niemand. Mit einem Gesamtsystem zur Krisenbekämpfung würde so etwas gegenüber Trump auch besser erklärbar.
Aus den Krisen geht Europa gestärkt hervor. Schon wird vermeldet, dass die Verteidigungsfähigkeit Europas von Woche zu Woche steigt. Wir sind zwar noch weit von einer europäischen Gesamtverteidigung entfernt, aber so wie das Durchspielen aller potentiellen Krisen auf europäischer Ebene zu erfolgen hat, um so geeinter wird Europa in den erarbeiteten Lösungen. Und wenn ein europäisches Projekt scheitert wie z.B. die Entwicklung des zukünftigen Kampfjets, dann bringt die Analyse der Ursachen viele neue Erkenntnisse, über die zu sprechen ist. Europa ist durch die Herausforderungen zu einem Gesamtstaat geworden, den es formell noch anzupassen gilt. Die Vereinigten Staaten von Europa nach dem Muster der Bundesrepublik ist die Vorgabe. Weder AfD noch die französische Rechte dürfen die EU noch gefährden können. Das wird den Prozess der Gesamtstaatsbildung stark beschleunigen. Es wird darüber in Brüssel gerade viel nachgedacht. Womöglich folgen daraus große neue Konzepte. Leitideen einigen, lösen Tagesprobleme. Sie beseitigen auch Krisen. ek