Unternehmer berichten

Mai 11, 2026

 In der letzten Sitzung des Wirtschaftsbeirates Pfaffenhofen nahmen vier Unternehmen zu ihrer gegenwärtigen Lage Stellung. Bei einer großen Spedition können die stark gestiegenen Kraftstoffpreise an die Auftraggeber weitergegeben werden. Dies trifft aber nicht zu für Leer- und Rückfahrten. Es sind nur wenige Elektro-LKWs im Einsatz wegen der hohen Anschaffungspreise. Sie wären nun im Vorteil bei den Betriebskosten. Andere Unternehmen trifft gerade die Weitergabe der Spritpreiserhöhungen, wenn sie Endprodukte transportieren lassen. Eine große Mühle beliefert den gesamten deutschen Einzelhandel (Ausnahme Lidl). Sie kann bei ihm keine höheren Preise durchsetzen. Monatlich sind so 150.000 € zu verkraften. Andererseits schafft der Einsatz von KI in der Verwaltung und im Labor größere Kostenvorteile, die sich freilich erst auswirken, wenn Mitarbeiter ausscheiden.

Auch ein Tiefbauunternehmen leidet unter Kraftstoffkosten, da die Aufträge der öffentlichen Hand schon im Herbst vergeben wurden ohne Preisgleitklauseln. Diesem Unternehmen schmerzt, dass er in 2025 400 Anfragen nicht beantworten/kalkulieren konnte. Hier wirkt sich der Fachkräftemangel noch besonders aus. In einem metallverarbeitenden Unternehmen können mittlerweile alle Stellen und noch dazu gut besetzt werden. Das ist die Kehrseite der Automobilkrise des Raums Ingolstadt.

Prinzipiell berichten alle vier Unternehmen von einer guten Auftragslage mit steigenden Umsätzen. In der Speditionsbranche geben viele kleinere Betriebe auf, wodurch Personal und Aufträge den Großen zufließen. Während Produkte für die Landwirtschaft schwer Abnehmer finden, konnten Spezialmärkte erobert werden wie z.B. Kühlaggregate für Rechenzentren oder Lackierungsanlagen für Drohnen. Der Landkreis Pfaffenhofen ist branchenmäßig sehr breit aufgestellt. Die Krise von Audi wirkt sich deshalb kaum aus. Bei den Strompreisen klagt nur die Mühle. Sie konnte aber eine Solaranlage aufbauen, von der sie ab März profitiert. Bei den übrigen wird vorgezogen, den Strom zum Tagespreis zu kaufen. In einem Fall konnte 2025 ein Dreijahresvertrag für Gas abgeschlossen werden, der sich nun als Erfolg erweist.

Generell kann festgestellt werden, dass sich die Personalprobleme legen. Der Arbeitsmarkt normalisiert sich. Im Absatz erweist es sich sehr vorteilhaft, auf mehreren Standbeinen zu stehen bei flexiblem Personaleinsatz zwischen den Bereichen. Die Betriebe kommen mit ihren konventionellen Produkten noch gut über die Runde. Es ist also kaum Disruption im Markt eingetreten. Andererseits fehlen dadurch echte Innovationen, von der KI-Nutzung einmal abgesehen. Bei der Lösung von Problemen hilft die Zusammenschau unter Unternehmen viel, da sie meist Nebenschauplätze betreffen, für die nur begrenzte Managementzeit zur Verfügung steht.

Der Wirtschaftsbeirat Pfaffenhofen wird in seiner Zusammensetzung vom Kreistag im Mai neu bestimmt. Wichtiger noch: Sein Fortbestand ist gesichert. Er dient Landrat Albert Gürtner als Beratungsgremium. Darüber hinaus betreut er wie das KUS alle Unternehmen im Landkreis bei Problemen. Deshalb ist ein Bankenvertreter per se ständiges Mitglied. Die IHK und die Handwerkskammer entsenden ebenfalls immer einen Vertreter. Franz Böhm steht bereit, den Vorsitz weiter zu übernehmen. Ehrenvorsitzender Bernd Huber ist ebenfalls ständig dabei – bei bester Gesundheit. ek