Versagt Deutschland bei der KI-Generierung

Juni 08, 2026

In der Politik wurde die Digitalisierung vielfach mit dem Netzausbau gleichgesetzt. Wer das Internet unzureichend empfängt, kommt ins Hintertreffen, wenn alles über das Internet läuft. So verhält es sich gerade auch bei der Nutzung der KI. Es kommt nicht nur darauf an, dass findige Köpfe viele KI-Anwendungen ausarbeiten, es braucht auch die Rechenkapazität, um die KI mit Daten zu trainieren. Diese Rechenkapazität muss vor Ort gegeben sein. Deshalb denken viele Insider an den Bau von Rechenzentren in Deutschland, um dem Wettlauf mit den USA nicht zu unterliegen. Der KI werden so viele Produktivitätssteigerungen zugetraut, dass ihr Einsatz nötig ist, um den Wohlstand Deutschlands zu erhalten.

Doch nun kommt ein neuer Faktor ins Spiel: Der Netzausbau bei der Stromversorgung der Rechenzentren. Dazu gehören auch Umspannwerke. In Bayern kümmert sich nur die Bayernwerk AG um den Netzausbau und die Umspannwerke. Sie ist eine 100 %ige Tochter der E.ON. Das Bayernwerk muss alle Solaranlagen und Windparks anschließen – was gerade noch zu schaffen ist. Die Rechenzentren bringen eine andere Dimension. Sie werden für Bayern so viel Strom fordern, wie ganz Bayern derzeit verbraucht. Wie soll das gelingen, und zwar in 2–3 Jahren?

Rechenzentren brauchen freilich nur sehr starke Zuleitungen, aber um so mehr Umspannkapazität. Wo der Strom herkommt, zählt dabei noch nicht. Es ist zu unterstellen, dass er von irgendwo kommt: Von ausländischen Atomkraftwerken oder Windparks der Nord- und Ostsee. Wenn die Windparks vor Ort hinzu kommen, beginnt die Verästelung des Stromnetzes. Aber die Windparks und Solargroßfelder wollen/müssen sowieso angeschlossen werden – so zeitnah wie möglich. Doch es drängt sich die Vermutung auf, dass die Bayernwerk AG die Anforderungen der Rechenzentren nicht auf dem Schirm hatte. Das Netz wird für die Rechenzentren neu zu schaffen sein. Womöglich müssen die finanziellen Mittel hierfür aus dem Sondervermögen Infrastruktur angefordert werden. Die Arbeitskräfte müssen aus dem Ausland geworben werden.

Es wird also einige Krisensitzungen erfordern, um Bayerns Rechenzentren eine Zukunft zu geben. Auch Söder wird aufspringen müssen. Doch dann zählen Taten. An Investoren für Rechenzentren scheint es nicht zu mangeln. Ihre Zeitpläne sind noch weit weg von denen der Bayernwerk AG. Doch es genügt nicht die Rückschau auf „brave“ Zeiten. Der Strombedarfs-Tsunami muss bewältigt werden. Vielleicht können die Pläne für den Anschluss an die Zulieferleitungen aus den Norden auch für das neue Netz in Bayern eingesetzt werden? Dazu müsse nur einmal gegraben werden. Aber wird es schnell genug erfolgen? Die Rechenzentren in den USA werden schon gebaut – mit genügender Stromversorgung. ek