Wie hat sich die Welt doch verändert. Zur Fußballweltmeisterschaft in Katar demonstrierte die deutsche Mannschaft noch gegen Beschneidungen von Menschenrechten und für die Regenbogenbewegung. Heuer äußert sich Sportdirektor Rudi Völler, dass Sport sich nicht in die Politik einbringen soll. Es wird also zu keinen Zeichen der Demonstration durch die National-Elf kommen. Die Presse kommentiert diese Einstellung auch sehr zurückhaltend. Zwar wird der Präsident der FiFa Gianni Infantino als Trump-Fan kritisiert, aber niemand verurteilt die Zurückweisung des Schiedsrichters Afrikas durch die USA oder die Ticketverweigerung an Iran-Fans (Revolutionsgardisten würden sowieso nicht in die USA einreisen), wo doch das iranische Volk viel genug unter dem Mullah-Regime und dem Krieg leidet.
Das sehr frühe Ausscheiden der deutschen Mannschaft in Katar hatte sicherlich nichts mit den Protestbekundungen zu tun, lag lediglich am zu wenig geübten Zusammenspiel und anderen Faktoren. Doch diese Mannschaft konnte erhobenen Hauptes nach Deutschland zurückkehren. Niemand kann sich vorstellen, dass dies heuer wieder eintreten könnte, doch ist der Traum vom Endspiel nicht allzu unrealistisch. So werden unsere Kicker-Millionäre mit gesengtem Haupte zurückkehren. Das war’s dann auch – mit Kuschen vor Trump im Gepäck.
Sind Ticketpreise über 500 € nicht auch ein Armutszeichen? Es wird über mafiaähnliche Strukturen der FiFa geschrieben. Doch auch sie werden toleriert, obwohl die Preise für die wichtigen Spiele explodieren. Früher hatten die Fußballweltmeisterschaften noch eine Ähnlichkeit zu den Olympischen Spielen. Heute herrscht Raubrittertum. Die WM 26 spielt Trump voll in die Karten. Infantino hebt Trump in den Weltfußballhimmel, völlig überzogen und unnötig. Nebenher wird der Iran bombardiert. Die 48 Mannschaften, die antreten, fühlen sich wie von Trump Geduldete. Sie spüren die Trump-Diktatur stärker als das Scheich-System Katars. Der Sieger wird sich nicht mehr so stark freuen wie früher. Es kommen Parallelen zur Olympiade 1936 in Berlin hoch. Warum wurde diese Olympiade im Berlin Hitlers überhaupt abgehalten?
Insofern können wir die Äußerungen Völlers verstehen. In den USA herrscht der AfD-Freund Trump, quasi ein kleiner Hitler. Es soll jede Provokation vermieden werden. Da ist höchste Diplomatie angesagt. Aber wir hätten die hohen Ticket-Preise angreifen können. So etwas versteht Trump und würde sogar den Mut dazu honorieren. Die Zuschauer am Fernseher haben es hingegen sehr bequem. Alles wird übertragen, meistens zu hinnehmbaren europäischen Zeiten. Alle Politik bleibt ausgeblendet. Selbst Donald Trump kann kurz gehalten und mit kritischen Kommentaren verbunden werden.
Die Zuschauer vor Ort in den USA müssen bei Tickets und Hotels tief in die Tasche greifen. Sie erleben auch die Gespaltenheit des Landes, die Angst vor einer Nichterteilung des Visas wegen eigenen Bemerkungen auf Social Media, die Maga-Bewegung, die Euphorie aus dem Börsengang von Space-X, die den rechtsradikalen Elon Musk zum Billionär werden ließ und werden sich hüten, die in Europa herrschende Meinung zu Donald Trump von sich zu geben. Aber sie werden auch besser verstehen, dass Europa die Verteidigung in eigene Hände nehmen und im technologischen Wettbewerb mithalten muss. Wieder zurück werden sie die Toleranz- und Meinungsfreiheit bei uns schätzen. ek