Prof. Pechlaner von der Uni Eichstätt lehrt und predigt in seinen Vorträgen, dass örtliche Lebensqualität und Tourismus zusammen gehören. Wenn für die Bürger ein Markt oder eine Stadt attraktiv ist, kommen auch Besucher, die an diesen Vorzügen teilhaben wollen. Was also Fachkräfte aus anderen Regionen gewinnen läßt – neben den Bedingungen, die der Arbeitgeber bietet –, kommt auch den Fremdenverkehrsbranchen wie Hotellerie und Gastronomie zugute. Natürlich braucht es auch Kultur wie z. B. Theater, Konzertsäle, Museen und Veranstaltungen, ein attraktives Erscheinungsbild des Orts und Narrative wie Vergangenheit und Spezialitäten.
In der Aussenwirkung, um Touristen anzulocken, helfen sehr stark Film und Fernsehen. Das österreichische Hallstatt am gleichnamigen See kann sich vor Touristen, v.a. aus Asien, nicht mehr retten, weil der Ort in einer Filmserie Mittelpunkt der Aktivitäten der Schauspieler war. Dazu wurde er in einem asiatischen Filmstudio nachgebaut und in seiner Romantik überhöht. Der asiatische Tourist, der von Wien antransportiert wird, fühlt sich somit in Hallstatt zuhause. Was er dort antrifft an Schönheit und europäischer Kultur bestätigt seine Erwartungen. Warum hat Rosenheim ein besseres Image als Ingolstadt? Das sind nicht nur die Berge und der Chiemsee im Hintergrund, sondern weil dort die Fernsehserie Rosenheim-Cops spielt.
Für solche Dreharbeiten wird viel recherchiert und inszeniert. Es wird die Identität des Ortes gesucht, was ihn zum Mittelpunkt der Serie werden läßt. Ingolstadt hat noch nie darüber nachgedacht, wie es zu einer eigenen Filmserie kommen könnte. München hat das weltgrößte Volksfest, das Oktoberfest, verkörpert für die Welt Bayern. Viele Menschen, die Deutschland noch nie besucht haben, meinen, dass unsere Republik wie Bayern wäre. Deshalb hat eine Olympiabewerbung des Ruhrgebietes keine Chance gegenüber München. Wären in München die Mieten nicht die höchsten in Deutschland, würden viel mehr Deutsche und Europäer nach München ziehen.
Die Hallertau hat schon mehreren Filmen als Drehort gedient wie Caroline Links „Jenseits der Stille“ oder „Hopfensommer“ mit Elmar Wepper. Das sollte uns bestärken, nach den Sternen zu greifen. Eine Fernsehserie mit einem hallertauer Ort als Schauplatz würde die Frage nach unserer Identität professionell beantworten. Wir würden unsere Heimat noch mehr schätzen und lieben. Leute, die eigentlich nach München ziehen wollen, würden die Hallertau als Alternative wählen. Wir selbst würden beginnen, noch mehr auf das Erscheinungsbild unseres Marktes zu achten. Mehr Touristen kämen den Gastronomen und Einzelhändlern zugute. Es könnten mehr Sonderevents abgehalten werden. Wir haben viele gute Musiker und Bands. Warum sollen sie nicht wenigstens einmal im Monat auftreten?
Dann wären weitere Museen kein Problem mehr. Die Standortsuche für das „Händemuseum“ wäre schnell erledigt: Dann würde dieses Juwel in der deutschen Museumswelt wieder strahlen. Der Bayerische Brauerbund wollte seine Fayence-Krüge schon mal in Wolnzach dauerhaft ausstellen. Warum nicht dazu einen der Brauerei-Keller nutzen? Hopfen und Bier gehören zusammen. Anspruchsvolle Skulpturen könnten Plätzen Markanz geben. Die Kirchentürme der Ortsteile könnten wie die Wolnzacher Pfarrkirche nachts angestrahlt werden, um nur einen Punkt der Ortsteil-Entwicklung aufzuführen. Leerstände bei den Geschäften würden schnell beendet. Herunter gekommene Gebäude gehörten der Vergangenheit an. Die Gemeinde bräuchte keine neuen Schulden einzugehen. Alle Wahlkampfversprechen könnten umgesetzt werden – am besten von allen Parteien und gemeinsam. ek