Am Donnerstag hielt der Bayerische Brauerbund seine jährliche Pressekonferenz in München. Auf ihr werden u. a. die Zahlen für den Bierkonsum 2025 vorgestellt. Sowohl der deutsche wie auch der bayerische Bierabsatz waren rückläufig (–6 % / –5,4 %). Diese Verluste überstiegen sogar die Corona-Jahre. Noch schlimmer: Selbst der Export bayerischen Biers ins Ausland sank um 6%, wobei der Rückgang der Drittländer dramatisch war (–18,3 %). Eine herbe Enttäuschung. Selbst wenn die Steigerung bei alkoholfreien Bieren (+11,5 %) hinzugerechnet wird – so machen immerhin schon 10 % aller gebrauten deutschen Biere aus – bleibt ein Minus von 4,5 %. Brauerbund-Präsident Georg Schneider muss eingestehen, dass immer mehr mittelständische Brauereien in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Die größte Brauerei der Oberpfalz schloss in 2025. Die Möglichkeiten von Kosteneinsparungen sind gering, wobei der bürokratische Aufwand steigt, die Energie teuer geblieben ist und der Fachkräftemangel die Personalkosten mehrt. Der Preisdruck durch den Handel ist gestiegen.
Die Ursachen für den Rückgang des Bierkonsum liegen neben der zwangsweisen demografischen Entwicklung einerseits in der allgemeinen Kaufkraftzurückhaltung aufgrund vieler Bedrohungen wie auch zunehmende Alkoholabstinenz. 49 % der 18 – 24-Jährigen in Deutschland trinken überhaupt keinen Alkohol. Die meisten Jugendlichen kaufen alkoholische Getränke eher selten. Dahinter stehen Kampagnen gegen den Alkoholkonsum der EU und internationaler Organisationen. Nur in Frankreich stieg der Bierabsatz, freilich nur um 0,7 %. Schneider: „Wenn eine Brauerei schließt, dann verliert ein Ost kulturelle Identität“. Mit der Brauereitechnik müssen nun auch andere Produkte hergestellt werden (Liquid food). Viele Brauhäuser verkaufen auch Mineralwasser und deren Mischgetränke, deren Absatz ständig steigt.
Was die Bierkrise auslöst, war einen Tag später auf der Hauptversammlung der HVG in Unterpindhart zu hören. Die Hopfenfläche muss verringert werden u.a. für die Sorten Magnum, Perle und Hallertauer Tradition. Der Herkules verträgt auch kein Wachstum mehr, zumal die USA wieder vermehrt Bitterhopfen produzieren, so dass ein Preiskampf wahrscheinlicher wird. Freiwerdende Verträge werden für viele Sorten nicht erneuert. Vorstandsvorsitzender Dr. Erich Lehmair will eine sehr schnelle Anpassung der erzeugten Mengen an den Bedarf. Erst wenn Angebot und Nachfrage wieder ins Lot gekommen sind, werden wirtschaftlich sinnvolle Verträge geschlossen. Die Ernte 2024 lag 13 % über dem Vorjahr, gilt als durchschnittliche Ernte, doch die Brauer brauchten diese Steigerung nicht. So sind die Lager so voll, dass auch weniger Hopfen eingefahren werden kann als die Brauer in der gleichen Zeit benötigen.
Die Schleuderpreise für den Mehrhopfen mehrten zwar den Umsatz der HVG und dieser stieg auf den Rekord von 106,4 Mio. €, dafür nahmen die Schulden bei den Banken stark zu und es blieb ein bilanzieller Gewinn von 60.500 €. Bei der Biogas-Anlage in Oberlauterbach musste eine Sonderabschreibung von 1 Mio. € vorgenommen werden. Die Honata GmbH benötigte 4 Mio. € an Einlage. Sonderabschreibungen auf Lagerbestände und Forderungen kamen hinzu. Gleichwohl bleibt das Unternehmen stabil und es werden 3 % Bardividende pro Genossenschaftsanteil ausgeschüttet, den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Mitglieder geschuldet. Dr. Lehmair sieht im Ausblick noch mindestens zwei schwierige Jahre vor sich liegen. Der Umsatz wird zurückgehen, dafür könnte ein leicht besseres Ergebnis eintreten. Ermutigendes kam allerdings von den Grußworten. MdB Christian Moser sieht Absatzchancen für Bier und Hopfen in Indien und Südamerika. Landrat Albert Gürtner sicherte die volle Unterstützung seines Hauses zu, die Bewässerung der Hallertau zu sichern. ek