Jeder trockene und heiße Sommer stellt eine Existenzbedrohung für den Hallertauer Hopfenanbau dar. Es kann zu Minderernten von 30% kommen, wie wir es in den letzten Jahren erlebten. Um die Versorgungssicherheit der weltweiten Brauwirtschaft sicher zu stellen, wurde die Anbaufläche stark ausgeweitet. In einem normalen Jahr, also mit ausreichend Regen von Mai bis September, wurde 2024 eine Ernte eingefahren, die den Bedarf der Brauer weit überschritt. Es kam zu einem Absturz der Freihopfenpreise. Sie beeinflussen aber auch die Vertragspreise und damit die Existenzgrundlage des Hopfenanbaus. Der Handel sieht sich in der Lagerhaltung überfordert. So liegt es nahe, für eine gezielte Bewässerung zu sorgen, wenn die natürliche Bewässerung über den Regen ausbleibt. Nur so ist die Wirtschaftlichkeit des Hallertauer Hopfenbaus erhaltbar.
Schon seit Jahren wird darüber nachgedacht. Die Wasserwirtschaftsämter zeigten sich ursprünglich zu Zugeständnissen bereit. So durften Pflanzer Wasser aus dem Boden, sprich Grundwasser, pumpen. Doch als klimabedingt die Grundwasserspiegel sanken, erlaubten die Wasserwirtschaftsämter keine weiteren Nutzer. Es stand die allgemeine Trinkwasserversorgung auf dem Spiel. So wurde die Zisternenlösung geboren: Im Winter und Frühling kommt es zu hohen Niederschlägen, die über die Flüsse abgeleitet werden. Bei Sturzfluten, meist im Sommer, werden gar weite Gebiete unter Wasser gesetzt. Wenn ein Bruchteil dieser Hochwasser gespeichert werden könnte, hätte der Hopfenbau genügend Wasser für den Ausgleich der sommerlichen Trockenheit.
Um dieses Vorhaben anzugehen, wurde der Bewässerungsverband Hallertau 2024 gegründet, dem mittlerweile 461 Pflanzer aus 51 Gemeinden und 6 Landkreisen angehören. Letzte Woche wählte er seine Führung. Vorsitzender wurde Johannes Stampfl. Die Landkreise Pfaffenhofen und Neuburg-Schrobenhausen vertritt in der Führung Adi Schapfl, zugleich Präsident des Deutschen Hopfenpflanzerverbands. Die HVG und der Hopfenwirtschaftsverband (Handel und Veredler) unterstützen den neuen Verband finanziell. Auch die öffentliche Hand hat Förderung zugesagt. In den nächsten zwei Jahren soll ein Konzept erarbeitet werden, wo und wie das Hochwasser entnommen und gespeichert werden soll. Es könnten also auch künstliche Stauseen angelegt werden, die im Sommer bei Bedarf leer gepumpt werden. Zisternen oder Speicher im Boden wären die teuerste Lösung. Auf jeden Fall muss ein großflächiges leistungsstarkes Bewässerungssystem aufgebaut werden. In den Hopfengärten selbst hat sich die Tröpfchen-Bewässerung bewährt. Diese Investitionen liegen ganz beim Pflanzer.
Eine andere Technik des künstlichen Regens mittels Stromemissionen in die Atmosphäre konnte bislang noch nicht getestet werden. Lange Zeit lehnte Umweltminister Torsten Glauber diese Technik ab. Im Herbst 2023 konnte sich Wasserexperte Prof. Martin Grambow bei seinem Minister durchsetzten. Ein Test mit dem Fraunhofer Institut in Valley/Holzkirchen sollte die Effizienz und Ungefährlichkeit des WeatherTec-Verfahrens zeigen. Doch die finanziellen Mittel dazu kamen vom Bayer. Landwirtschaftsministerium nicht zusammen. Prof. Grambow fing im Frühsommer ´24 in Pension. Sein Nachfolger stellte den Test wieder ein. Alles scheiterte an 500.000 €, die im Winter ´23 fehlten. Der Aufbau der Stromantennen und die Betriebskosten für die Hallertau auf Dauer wären hinzugekommen. Derzeit wird versucht, die EU für dieses System zu gewinnen, da es weitere Vorteile zur Bewältigung der Klimaverschlechterung ermöglicht (Löschung von Waldbränden, gezieltes Abregnen von Monsterwolken).
Darauf will sich freilich der Bewässerungsverband Hallertau, eine Körperschaft des öffentlichen Recht, nicht verlassen und beginnt seine Arbeit mit den üblichen Techniken der Wasserbewirtschaftung, selbst auf die Gefahr, dass alle Planungen und Berechnungen hinfällig würden. In der Gemeinde Niederulrain bei Neustadt wurde ein Pilotprojekt begonnen, das auf andere Gemeinden übertragen werden soll. Es soll die Kosten und die Machbarkeit ergründen. Noch steht eine Schätzung von Investitionen in Höhe von 20.000 € pro Hektar Hopfenanbau im Raum. Diese Summe könnte kein Erzeuger stemmen, zumal die Vertragspreise durch die hohen Lagerbestände und den stagnierenden Absatz für die Brauer unter Druck stehen. Auf der anderen Seite sieht sich die öffentliche Hand in Zugzwang, den Hochwasserschutz voranzubringen. Sturzfluten werden häufiger und stärker. Womöglich können die baulichen Maßnahmen ins Hintertreffen kommen bzw. unfinanzierbar werden. Denn Sturzfluten können überall auftreten. Das Denken in Jahrhunderthochwässern ist obsolet geworden. ek
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