Fastenprediger Claus Drexler

März 30, 2026

Das Wolnzacher Starkbierfest 2026 wurde von keiner Partei veranstaltet, sondern von der Abteilung Fußball des TSV Wolnzach. Alle Bedienungen und Küchenkräfte trugen knallrote TSV-T-Shirts. Der Service war erstklassig. Beim Augustiner-Ausschank kamen die Fachkräfte der Brauerei in Einsatz, so wie Metzger Reichhold die Küche unterstützte, freilich auch TSV-Mitglied. Eine Bläserabordnung der Marktkapelle sorgte für Volksfest-Stimmung. Die Volksfesthalle war nahezu voll. Es wurde schnell klar: Die Wolnzacher sehnen sich nach einem Starkbierfest, wobei der Termin immer später liegt als die vergleichbaren Veranstaltungen in den Nachbargemeinden.

Der Star des Abends kam aus den Reihen der „Stachelbären“: Claus Drexler. So ein Soloprogramm gab er noch nie. Er wurde den Erwartungen aber voll gerecht. Manche Pointen kamen großartig an, bei anderen traute sich das Publikum nicht zu klatschen, verstand sie aber. Die rund 40jährige Bühnenerfahrung prägte den Auftritt. Hinzu kam die Freiheit der Themenwahl. Was gut ankam, wurde spontan ausgebaut. Das ist in der Stachelbär-Truppe nicht möglich. Sie bietet nur einen Einstiegblock, speziell für den Abend und auf den Ort ausgerichtet. Der Rest ist das jeweilige Jahresprogramm. Claus Drexler konnte hingegen länger bei den Wolnzacher-Themen bleiben.

Natürlich lieferte die jüngste Kommunalwahl genügend Stoff für Possen. Die Nähe der Stachelbären zur SPD scheint aber verloren gegangen zu sein. Drexler nahm sich Markus Käser ausführlich vor als ewigen Verlierer und klein von Gestalt. Schnell testete Drexler die Stärke der Schächwähler im Publikum aus, ließ sich aber nicht davon abhalten, über Zensurandrohungen Schächs bei früheren Auftritten der „Stachelbären“ zu berichten. Seit 2018 gab es keinen Auftritt der „Stachelbären“ beim Wolnzacher Starkbierfest mehr. Drexler bedauerte es nicht, dass Simon Zimmermann die Wahl für sich entscheid. Doch brachte er die Idee, ob sich bei solch knappem Wahlausgang das Bürgermeisteramt nicht gemeinsam ausgeübt werden solle: zwei Jahre Schäch zuerst und dann 4 Jahre Zimmermann. So könne Schäch alles realisieren, was liegen geblieben sei und Zimmermann hätte eine problemfreie Nachfolge, könne die Früchte Schächs ernten.

Aus der 8-jährigen Bühnenpause der „Stachelbären“ bot sich Drexler viel Stoff – von der Coronazeit mit selbst gebackenem Brot, das die Opferzahl erhöhte bis hin zu zwei neuen Virusopfern, die nur im Landkreis Pfaffenhofen auftraten. Drexler blickte auf einen zerknirschten bayerischen Ministerpräsidenten auf dem Nockherberg. In Wolnzach könne das nicht sein, das die erste Tischreihe – für die Politiker und Promis – völlig leer blieb. In der Tat war kein Lokalpolitiker unter den Zuhörern auszumachen. So war klar, dass Claus Drexler sich als Fastenprediger sah, als Derblecker. Geschickt wechselte Drexler zu anderen Themenkomplexen wie Fahrrad-Straßen in Pfaffenhofen auf denen die Radfahrer auf weit über 50 km/h kämen. Von der AfD brachte er einen Meterstab mit der Aufschrift „Nicht für linke Hände“ als Gag. So bestritt Drexler zwei Auftritte mit je 40 Minuten. Der Stoff dazu ging ihm nie aus. Die Lokal- und Landespolitik bringen zu viel Paradoxes, Angreifbares.

Die Wolnzacher waren mit dem Gebotenen hoch zufrieden. Das bezog sich auch auf die Küche und dem Maximator, dem Starkbier der Augustiner. Sicherlich brachte der Abend der Fußballer-Kasse ein starkes Plus. So sind wir sicher, dass es in 2027 eine Neuauflage des TSV-Starkbierfests geben wird, sehr wahrscheinlich wieder mit Claus Drexler als Derblecker.  ek

Foto: Eduard Kastner