Fastenzeit

Februar 23, 2026

Die 6-wöchige Fastenzeit vor Ostern besteht schon sehr lange im Christentum. Erst aus ihr entstand die Ausgelassenheit davor, der Carneval (das „Ende des Fleischgenusses“ als Anlass) bzw. Fasching (der „letzte Sud“ als Begründung). Sie (über)steigerten sich wie das Weihnachtsfest mit dem vorausgehenden Advent. Als der Faschingsbeginn auf den 11.11. gelegt wurde, gingen die weihnachtlichen Feierlichkeiten nahtlos in den Fasching über, in die „5. Jahreszeit“. Die Erschöpfung aus den Faschingstollitäten dient der Ernüchterung, dem Einstieg in die Fastenzeit. Ohne einen radikalen Entschluss und konsequentem Einstieg gelingt das Fasten über 6 Wochen nicht.

Mit abnehmender Gläubigkeit schwindet auch das Fasten bzw. die Enthaltsamkeit aus religiöser Gehorsamkeit. Hinzu kommt die Starkbiersaison mit eigenen Festen, meist von Kabarett und Musik begleitet. Ab Aschermittwoch blickt Bayern auf das Derblecken am Nockherberg, eine Retourkutsche zu den Aschermittwochsreden in Niederbayern. Das Fasten kommt heute meist aus den gesundheitlichen Überlegungen. 6 Wochen ohne Alkohol entspricht der generellen Abstinenz, die mehr und mehr um sich greift. Ähnlich laufen Kampagnen gegen Fleischgenuss oder gegen Zucker. /Süßigkeiten. Wenn auch die Weißwurst noch erlaubt ist, jeder Form von Fett in der Küche soll ein Ende bereitet werden. Interessanterweise geht es süßen/fettreichen Torten und Nachspeisen noch nicht an den Kragen.

Andere setzten sich ein Abnehmziel, gar das Erreichen des Idealgewichts in der Fastenzeit. Schaden kann das nie. Jede „Sünde“ wirft den Fastenden um Tage zurück. Es kann alles gemessen werden. So wird schnell erkannt, dass Naschereien zwischen den Mahlzeiten gewichtsschädlich sind. Modern ist die Halbtagsabstinenz: 12 Stunden lang darf nicht gegessen werden, meist von 7 Uhr abends bis 7 Uhr morgens. Das Fasten, verbunden mit Sport und Bewegung, führt somit zu einer besseren Figur. Der Fastende fühlt sich fitter. So wird das Fasten zur Einstellung fürs ganze Jahr. Gerade bei Älteren kommt die Einsicht, dass kleinere Mahlzeiten gesünder sind.

Jesus ging vor seinem öffentlichen Auftreten zum Fasten in die Wüste. Womöglich folgte er einem jüdischen Brauch? Auf jeden Fall kam aus diesem Sonderverhalten die Idee des Fastens für alle Christen. Im Islam findet sich der Ramadan als Fastenzeit mit der Spezialität des Fastenbrechens nach Sonnenuntergang. Hier spielen keine gesundheitlichen Ziele herein. Es zählt das Opfer, die Beherrschung während des Tages. Das Christentum zielt tiefer. Mit dem Auflegen der Asche am sogenannten Aschermittwoch soll der Gläubige zur Demut und Läuterung ermahnt werden. Die Fastenzeit dient der Vorbereitung des Todes, der Ermahnung zur Schaffung von Reichtümern für das Jenseits, dem Entsagen von Versuchungen des Diesseits, also einem Fasten bei jedem Konsum. Heute traut sich die Kirche nicht mehr, dies zu thematisieren aus Angst, noch mehr Austritte auszulösen. Aber wird sie damit ihrer Aufgabe noch gerecht? Wäre es nicht besser, die Gläubigen auf die Grundthesen Jesus` einzuschwören? Dort findet sich die Forderung, (irdischen) Reichtümern abzuschwören, sie zu verkaufen und das Geld unter den Armen und Hilfsbedürftigen zu verteilen. Also eine totale Fastenzeit. ek