Die Landratskandidaten

Februar 16, 2026

Wahlkämpfe werden heute anders ausgetragen als vor 20 Jahren. Fernseh-Duelle der Spitzenkandidaten sind üblich. Auf unterer Ebene sind es „Wahlkampfarenen“, in denen die Kandidaten sich wie Gladiatoren behaupten sollen. Einen solchen Abend inszenierte der Regionalausschuss Pfaffenhofen der IHK München und Oberbayern letzten Mittwoch für die 7 Kandidaten für das Amt des Landrats von Pfaffenhofen. Der Vorsitzende des Ausschusses übernahm die Moderation und Regie assistiert von einem Mitarbeiter der Geschäftsstelle Ingolstadt. 5 Fragen wurden den Kandidaten in objektiv bestimmter Reihenfolge gestellt, ehe Fragen aus dem Publikum kamen. Eingeladen waren Unternehmer aus dem Landkreis.

Am Mittwoch meldeten sich die Kandidaten der AfD und der FDP als krank. Das Feld verdichtete sich so auf den bisherigen Amtsinhaber Albert Gürtner (Freie Wähler), den Herausforderer der CSU, Andreas Aichele, der SPD, Markus Käser, der Grünen, Bettina Markl und der Linken, Diana Fuchs-Schlamp. Jeder sollte die IHK-Fragen in 1,5 Minuten beantworten. Doch es gab eh keine Überschreitungen. Die Fragen wurden aus dem Positionspapier des Ausschusses abgeleitet, das er in seiner ersten Sitzung erarbeitete, wie z. B. „Wie stehen Sie zu Ausweitungen und Neuausweisungen von Gewerbegebieten im Landkreis“ oder wie „Bauanträge von Unternehmen und Nutzungsänderungen beschleunigt werden könnten“.

Landrat Albert Gürtner fiel es leichter als seinen Mitstreitern, die Probleme in der jeweiligen Materie zu erklären. Nach ihm würde jeder Bauantrag in 3-4 Monaten abschließend beurteilt, vorausgesetzt, alle Unterlagen liegen bei der Einreichung vor. In der Diskussion konterte ein Bauträger: sein Bauantrag wurde abgelehnt und er klagte dagegen. Nach 2 Jahren bekam er Recht. Andere Fragensteller wollten wissen, wie dem örtlichen Gewerbe in der jetzigen Misere schnell geholfen werden konnte. Das Landratsamt versuchte bereits mit begrenztem Erfolg, überregionale Ausschreibungen zu vermeiden. Gürtner: „Manche Gewerke lassen sich einfach nicht aufteilen in mehrere kleine“. Auf jeden Fall erkannten alle Bewerber an, dass lokale Unternehmen bestmöglich heranzuziehen wären. Das Steuergeld müsse im Landkreis bleiben.

Bei der Integration ausländischer Arbeitskräfte bedauerte Gürtner, dass die Kapazitäten bei Deutschkursen völlig ausgeschöpft seien. Es wären neue Wege zu suchen, um an Deutschlehrer zu kommen. Das Kümmern um die lokale Wirtschaft durch das KUS wurde von allen Kandidaten als vorbildlich anerkannt. Sie sicherten weitere Unterstützung des KUS zu. Die Kreisumlage wollte niemand erhöhen, um den Kommunen weiterhin Spielräume für Investitionen zu belassen. Bis auf die Grünen fanden alle Kandidaten die Ausweisung von Gewerbeflächen zur Vorratshaltung als dringend erforderlich. Im Anschluss wurden die Zuhörer befragt, ob die Diskussionsrunde ihre Entscheidung für den richtigen Kandidaten erleichtert hätte. Viele verneinten. ek

Foto: Eduard Kastner