US-Präsident Donald Trump hat schon in seiner ersten Amtsperiode gefordert, dass Grönland an die USA gehen soll. In der zweiten Präsidentschaft scheint Trump alles zu gelingen und so legt er bei seinen Grönland-Gelüsten kräftig nach. Davos brachte wenigstens ein Einlenken, dass er die Rieseninsel nicht militärisch einnehmen will und dass Beugezölle gegen Natopartner, die sich für den Verbleib Grönlands bei Dänemark einsetzten, entfielen. Es soll verhandelt werden. Selbst ein Kauf scheint vom Tisch.
Worum geht es Trump? Sicher ist die Verteidigung immer möglich. Die USA unterhalten jetzt schon Militärbasen dort. Wer will diese angreifen? Der Verteidigungsfall ist also nur vorgegeben. Auch wenn Trump leugnet, es gehe ihm nicht um die Bodenschätze, so können nur sie für den Erwerb ausschlaggebend sein. Perverserweise sind sie aber nur wirtschaftlich abbaubar, wenn durch den Klimawandel die Eispanzer viel geringer werden, unter den die Bodenschätze liegen. Trump leugnet den Klimawandel. Mit seiner Energiepolitik beschleunigt er ihn. Insofern passen die beiden Bestrebungen gut zusammen. Doch wenn Grönland abschmilzt, wird es zu erkennbaren Meeresspiegelerhöhungen kommen, begleitet von einem gleichzeitigen Abschmelzen der Antarktis. Wir sprechen dann von mehreren Metern Anstieg, was den Untergang aller Küstenstädte bedeutet.
Die 50 000 Bewohner Grönlands werden jährlich von Dänemark mit mindestens 600 Mio € gestützt. Weitere Leistungen für Justiz etc. kommen hinzu. Andererseits könnte es sein, dass die USA für ihre Militärbasen zahlen muss. Zumindest profitiert die grönländische Wirtschaft durch sie. Wenn nun Trump von den Dänen einen höheren Militäreinsatz für Grönland fordert, dann wird dies für das Mutterland noch teuer. Die Grönländer selbst können das nicht leisten. All diese wirtschaftlichen Fakten werden die Verhandlungen mitbestimmen. Wenn die Grönländer völlig unabhängig werden wollen, dann brauchen sie eine Ausgleichsfinanzierung z. B. durch stärkeren Tourismus. Dieser gibt nur Sinn in den Sommermonaten. Im Winter steigen mit der großen Dunkelheit die Selbstmorde. Es ist nicht leicht, ständig am Rande des Eises zu leben. Das Land bietet für die Amerikaner keinen vernünftigen Lebensraum.
Es ist sehr fraglich, ob eine Übernahme Grönlands am Kongress erfolgen kann. Deshalb wäre es doch vernünftig, zuerst dieses politische Ergebnis abzuwarten, ebenso wie eine Volksabstimmung der Grönländer, wohin sie gehören möchten. Diese könnte auch nach einiger Zeit und Diskussion wiederholt werden. Klug von Trump wäre, auf eine völlige Selbstständigkeit Grönlands hinzuwirken und dann die nötigen Mittel zur Verfügung zu stellen, diese zu ermöglichen. Diese Abhängigkeit wäre dann die Basis für „Deals“, wie z. B. die Ausbeutung der Bodenschätze durch die USA. Doch ist Klugheit nicht die Stärke Trumps. So kann nur gehofft werden, dass sich die Verhandlungen, die nun begonnen werden sollen, sich lange hinziehen.
Dabei böte sich Trump eine ganz andere Insel an: Taiwan. Der Konflikt mit China steigert sich jedes Jahr. Eine militärische Übernahme Taiwans durch China ist für 2027 geplant. Womöglich würden die Taiwanesen es viel vernünftiger ansehen, wenn sie als 51. Staat der USA die volle Verteidigungskraft der USA bekämen. Dann könnte die Demokratie aufrechterhalten werden. Zugleich würden die USA direkt vor China beginnen und es könne viel mehr politischer Druck ausgeübt werden. Doch auch hier könnte ein Wesenszug Trumps im Wege stehen: der Rassismus. ek