Offen gibt kaum ein Älterer das Ziel an, die 100 zu erreichen – ohne Demenz und nicht als Pflegefall. Insgeheim hofft aber jeder auf ein längst mögliches Leben. Prognosen gehen davon aus, dass ein gewisser Prozentsatz der heute Geborenen die 100 erreichen. Kein Wunder, dass ein Buch, das sich dem gesunden Altwerden widmet, zum Bestseller wird. Peter Brockhaus aus Berlin hat „Werde 100“ verfasst. Letzte Woche stellte er es in der Curt-Wills-Stiftung vor – volles Haus war garantiert. Der Ex-Unternehmer hat schon viele Krisen und Krankheiten hinter sich: Krebs mit 50, schlimmste Arthrose mit 60, Rückenprobleme u.v.m. Doch aus allen ist Brockhaus nicht nur erfolgreich heraus gekommen, er hat auch sehr viel über sich und seinen Körper gelernt, gepaart mit der Lektüre zur richtigen Ernährung, dem erlangten Wissen um die entscheidenden Marker und Superorten, wo die Lebenserwartung der ganzen Bevölkerung höher als der Durchschnitt ist.
So steht heute ein 83-jähriger vor dem Publikum, der einen eineinhalbstündigen Vortrag hält ohne Manuskript und Aussetzer. Neben viel Bewegung und Teilhabe an Gemeinschaften, dem Gefordert-Bleiben und gutem Schlaf rückt immer wieder die richtige Ernährung und Medikation in seine Erklärungen. So seien die Pflanzenöle, gerade wie sie die Gastronomie verwendet, toxisch. Brockhaus empfiehlt Olivenöl für die Küche, das aber nicht überhitzt werden darf. Obst, Salate und Gemüse sollen den Hauptteil der Ernährung bilden. Die Portionen im Alter werden kleiner. Brockhaus verfolgt auch eine tägliche Essenspause von abends 19 Uhr bis morgens 7 Uhr. Der Genuss von Süßigkeiten sollte schon im Kindesalter sehr stark kontrolliert werden. Unsere Gesellschaft nimmt viel zu viel Zucker ein. Brockhaus achtet streng auf sein Gewicht. Fettpolster sind in unserer Zeit der Vollversorgung nicht mehr nötig. Gerade im Alter ist Askese gesund. Das bezieht Brockhaus auch auf Alkohol. Er bezeichnet sich als „Bio-Hacker“: Wer auf seinen Körper hört, weiß, was ihm schadet.
In seinem Buch „Werde 100“ hat Brockhaus viele QR-Codes eingebaut, über die auf dem Handy ausführlich nachgelesen werden kann. Das ist um so wichtiger, wenn Brockhaus sich mit den heutigen Medikamenten und ihre Verabreichung auseinandersetzt. Es gibt Marker, die viel mehr über den Gesundheitszustand aussagen als das „große Blutbild“, wie z.B. Omega 3 und Omega 6. Brockhaus lobt auch seine Apple-Uhr, die ihm sehr viele Informationen wie z.B. über seinen Schlaf gibt. Wenn das alles in ein neues Gesamtbild gebracht wird, sind Krisengebiete schnell erkannt z.B. Entzündungen. Und Brockhaus zeigt, wie sie beseitigt werden können, gerade bei Arthrose und Rückenschmerzen. Viele ergänzende Informationen liefert auch seine Homepage www.peterbrockhaus.de
Brockhaus stellt nicht in Abrede, dass langes Leben von den Genen mitbestimmt wird. So wünscht er allen lange Telomere: Die Länge bestimmt, wie oft sich Zellen teilen können. Zellteilung hält jung und fit. Stammzellen erzeugen neue Zellen. Sie richtig anzuregen, ist sicherlich das Resultat von Bewegung, Training, Ernährung und bewußter Regeneration. Doch Zwillinge altern oft unterschiedlich. Dafür sei die Epigenetik, das tägliche Umgehen mit den Genen ausschlaggebend. Bei Alzheimer tappt Brockhaus auch im Dunkeln. Er begreift die Krankheit als Diabetes 3, also ein mangelhafter Stoffwechsel als Ursache. Er empfiehlt viel Gedächtnistraining und Geschicklichkeitsübungen. ek
Foto: Eduard Kastner
