Die deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Der Abbau von Kapazitäten wird als nötig gesehen. Das trifft dann auch die vielen Zulieferer und unsere Region, dominiert von Audi und BMW. Doch es lohnt, die internationale Konkurrenz zu hinterfragen. Im Massenmarkt dominiert Toyota. Der japanische Konzern produziert mit über 50 Werken im Mutterland und mit noch mehr in den Billigländern. Toyota fertigt die meisten Autos weltweit, gefolgt von VW, wobei VW teurere Autos verkauft und im Umsatz die No. 1 in der Welt ist. Bei Toyota mit Firmensitz im Ort Toyota werden die US-Zölle beklagt: das US-Geschäft ist mit Trump in die roten Zahlen gerutscht. Der Konzern insgesamt verdient ordentlich. Es werden viele Hybrid-Fahrzeuge verkauft bzw. Toyota produziert, was nachgefragt wird.
Wenn wir den Weltmarkt nach Ländern und deren Bruttosozialprodukt nach Köpfen gliedern, erkennen wir, dass Toyota und alle Japaner wie auch Koreaner mit ihren preisgünstigen Fahrzeugen die dritte Welt bedienen. Die Straßen z. B. von Sri Lanka sind voll von Ihnen. Nur hin und wieder tauchen Exoten wie Mercedes, BMW oder Audi auf. Hier dominieren die Verbrenner: Einerseits, weil für Elektrofahrzeuge die Ladestruktur fehlt und diese Länder auch nicht über die Mittel verfügen, sie schnell aufzubauen, andererseits weil Strom auch aus fossilen Kraftstoffen gewonnen wird, also dem Klima mit Elektromobilität auch nicht geholfen würde und drittens so die Verbrenner günstiger fahren.
Bei diesen Märkten ist mit weiterem stärkerem Wachstum für Fahrzeuge zu rechnen. Die Entwicklung der Volkswirtschaften der dritten Welt hängt also am Verbrenner. Insofern haben auch die Chinesen mit ihren Elektrofahrzeugen kaum Chancen. Es ist den Chinesen zwar zuzutrauen, dass sie die Ladeinfrastrukturen aufbauen, aber die Batterien sind noch nicht so günstig, dass die chinesischen Elektrofahrzeuge billiger kommen als die japanischen Verbrenner, gebaut in der dritten Welt. Diese Betrachtung erfolgt völlig ohne Berücksichtigung des Klimaschutzes. Schnell wird aber klar, dass nur durch einen billigen CO₂-neutralen Kraftstoff der Klimaschutz ermöglicht wird. Die Elektromobilität war gut gedacht, aber springt zu kurz, insbesonders weil der grüne Strom fehlt. Das Öffnen des Verbrennerverbots der EU ist somit nur logisch.
Bei den deutschen Premiummarken spielen für den Absatz mehr als das Image und das Statusdenken die dominierende Rolle. BMW blieb technologieoffen. Daimler und Porsche werden es auch werden, letztlich dann auch Audi. Hinzu kommen Spitzentechnologien. Vielleicht gelingt doch die CO₂-Aufspaltung nach der Verbrennung von CO₂-neutralem Kraftstoff? Dann wären die Luxusautos noch dazu Klimaretter. Natürlich dürfen wir nie die Wünsche der Käufer übersehen: autonomes Fahren steht an, aber auch noch mehr Unterhaltung im Fahrzeug. Das Auto kann so auch zum Büro werden, der Kinderbetreuung dienen und vieles mehr. Hier wurde schon viel voraus gedacht. Die High-Tech-Konzerne sind mit an Bord. Für sie zählen die laufend entstehenden Daten, die sie dann auswerten und nutzbringend einsetzten. Eine Allianz von deutschen Spitzenautomobilherstellern mit Google & Co ist nur zu logisch. Es ist absurd, wenn jeder High-Tech-Konzern auch noch Autos entwerfen und bauen will.
Im gewerblichen Markt, bei LKWs und Bussen, spielen die Betriebskosten die dominante Rolle. Wenn für sie ein CO₂-neutrales Diesel für 60 ct. bereit steht, werden sie beim Verbrenner bleiben. Diese Fahrzeuge sind dann auch im Betrieb komplett klimaneutral. Für sie wäre die Aufspaltung von CO₂ viel leichter möglich, da sie praktisch im Dauerbetrieb stehen. Die EU-Förderung für den Einsatz von grünem Stahl zur Herstellung von Verbrennern lässt sich mit dem preiswerten CO₂-neutralem Heizöl auch bewältigen. Wasserstoff ist einerseits relativ teuer, aber auch im Brennwert sehr schwach. Beides zusammen lässt Wasserstoff als unwirtschaftlich ausscheiden. Doch im Rahmen der Technologieoffenheit soll er auch seine Chance haben. ek