Die jährliche Pressekonferenz zur Hopfenernte findet normalerweise auf der „Brau“ Anfang November statt. Wegen des Ausfalls dieser Messe sprang der Bayer. Brauerbund als Austragungsort ein. Letzten Dienstag kamen dort die tatsächlichen Erntezahlen auf den Tisch: die Hallertau fuhr 2025 37.250 to ein (24: 40.302 to), Deutschland 43.141 to (24: 46.536 to) und weltweit wurden 108.000 to bzw. 11.300 to Alpha geerntet, nahezu auf Niveau 24, was wegen der Rodungen (–5 %) verwundert. Es wird von durchschnittlichen Ernten gesprochen. In der Hallertau rettete der Regen im Juli den Ertrag. Die Spalter hatten dieses Glück nicht (–14 % Erntemenge). Doch die Sprecher, Adi Schapfl und Pascal Piroué, beschäftigte die Zukunft des Hopfenmarktes sehr viel mehr. Immer noch liegen die Erntemengen über dem Bedarf – bei vollen Lagern. Lediglich bei Tettnanger und Saazer gab es Unterdeckung und damit auch gute Freimarktpreise.
Selbst bei Hochalphasorten wie z. B. Herkules sind Steigerungen der Erntemengen nicht mehr marktgerecht. Die derzeit angebotenen Kontrakte sind preislich so niedrig – sofern es sie überhaupt gibt – dass sie für die Pflanzer als nicht akzeptabel gewertet werden. Inzwischen, also ab Ernte 26, sind rund 30 % des Erntevolumens der Hallertau nicht mehr vertraglich gedeckt. Sie werden damit zum großen Teil nicht mehr angeleitet. Es wird zwar immer Spekulanten unter den Pflanzern geben oder es herrschen Sonderbedingungen, aber in Summe wird die Anbaufläche der Hallertau in 26 um 20 % zurückgehen. Das ist sehr schmerzlich, aber trifft die Sollmengen des Marktes. Dann wird Angebot und Nachfrage wieder ins Lot kommen. Eine gewisse Überkorrektur wird dabei in Kauf genommen, da die Lager abzubauen sind.
Weltweit wird der Wettbewerb im Hopfenmarkt zunehmen. Es werden nur die Hopfenbetriebe die Krise durchstehen, deren Produktionskosten die niedrigsten sind. Schapfl: „Da sind wir in der Hallertau mit unseren Familienbetrieben und überschaubaren Größen besser aufgestellt als die Großbetriebe in den USA, die Fremdlöhne zu bezahlen haben“. Zudem sind die US-Farmer von den Preisen im Craft-Bier-Hype verwöhnt. Sie lagen weit über den Weltmarktpreisen. Doch sie haben durch Stauseen gesicherte Wasserversorgung, was in Zeiten des Klimawandels entscheidend ist. So setzt Schapfl auf die Bestrebungen in der Hallertau, Frühjahrshochwässer zu speichern. Der entsprechende Verband wurde hierfür gegründet. Mit hoher staatlicher Förderung wird gerechnet.
So endete die Pressekonferenz doch mit einer gewissen Zuversicht, dass die Hallertau die Markt-Krise überstehen wird und die Anpassung sehr schnell vorgenommen wird. Walter König hielt ein Plädoyer, dass Bier ein Kulturgut in Bayern sei und deshalb das Bierbrauen auch eine Zukunft habe. Wir werden über den Biermarkt noch berichten. ek
Foto: Eduard Kastner
