Bei der Extrahierung von Hopfen bleibt der Treber, also das Zellgerüst der Dolde, übrig. Früher diente es als Viehfutter oder wurde in die Gärten als Dünger ausgebracht. In der Hopfenveredlung St. Johann, wo rund ein Viertel des Welthopfens extrahiert wird und damit dem größten Hopfenverarbeitungswerk der Welt, wird nun der Treber als Heizstoff eingesetzt. Die Verbrennung erfolgt gepaart mit Holz. Das neue Heizwerk wurde gerade vom Bayerischen Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger eingeweiht. Es ist einmalig in der Welt und wurde speziell auf die Bedürfnisse des Werks entwickelt. 90% der bisher eingesetzten fossilen Brennstoffe, also Heizöl und Gas, können so ersetzt werden.
In St. Johann wird dies auch als großer Schritt Richtung Nachhaltigkeit gewertet. Sicherlich trifft für den Treber zu, dass seine Verbrennung als CO₂-neutral zählt. Denn bei einer Verrottung auf den Feldern oder als Klärschlamm/Gülle wäre das CO₂ in die Atmosphäre gegangen. Nach der Verbrennung tritt dies zwar auch ein, doch es kommt kein neues zusätzliches CO₂ hinzu. Bei Holz streiten sich die Geister. Natürlich will die Forstwirtschaft das Verbrennen von Holz auch als CO₂-neutral anerkannt bekommen – und Aiwanger gehört zu den Verfechtern –, doch genau gesehen trifft dies nur für das eine Prozent zu, das im laufenden Jahr von den Bäumen aufgenommen wurde ist. Die übrigen 99 % stammen aus den Vorjahren und dieses CO₂ kommt in der Atmosphäre zusätzlich hinzu.
Bei Waldbränden tritt diese CO₂-Belastung klar zu tage. So wurde z. B. Kanada vor drei Jahren zum zweitgrößten CO₂-Emittenten der Welt, weil es nicht gelang, die vielen Waldbrände schnell zu löschen. Auch fossile Brennstoffe wurden von der Natur aus Abfällen geschaffen. Was in Jahrmillionen gebildet wurde, geht bei der aktuellen Verbrennung des CO₂ in die Atomsphäre, löst den Klimawandel aus. Bei Pellets und Hackschnitzeln trifft dies im kleinen Maß zu, kann aber ebenso wenig als CO₂-neutral anerkannt werden. CO₂-neutral wäre diese Energie nur, wenn nach der Verbrennung das CO₂ aufgespalten würde.
Das Bundesumweltamt sieht dies ebenso und muss dafür Schläge der europäischen Holzlobby einstecken. Doch was nur logisch ist, muss so auch stehen bleiben. Die Holzverbrennung in St. Johann ist nicht CO₂-neutral. Da im Winter die Photovoltaik wenig Strom bringt, braucht es derzeit immer Holz oder Gas, um Strom zu erzeugen und um zu heizen. Wenn Strom aus Windkraft eingesetzt wird, gilt dies als klimaneutral. Im Sommer steuern die Paneele auf dem Dach des Veredlungswerks CO₂-freien Strom bei. Wenn St. Johann völlig als CO₂-neutral testiert werden will, muss der Faktor Holz in der Verbrennung entfallen und darf ausschließlich CO₂-neutraler Strom eingesetzt werden, um die Heizkapazität für den Bedarf aufzustocken. Oder die Forschung nimmt sich endlich der CO₂-Aufspaltung an, wobei die dazu nötige Energie aus dem Stromnetz kommen könnte. ek