Seit Jahren kämpft die deutsche Stahlindustrie gegen rote Zahlen. Mitarbeiter werden alljährlich gekündigt. Thyssen-Krupp gilt als das Musterbeispiel der Stahl-Krise. Die Ursachen sind schnell erklärt: Aus dem Niedriglohn-Ausland kommen Importe zu Preisen, bei denen ein deutscher Stahlproduzent nicht mithalten kann – trotz Fracht über Tausende von Seemeilen. Neuerdings wird China nachgesagt, die Exporte bei Stahl besonders hoch zu subventionieren. Hinzu kommen hohe Energiekosten in Deutschland. Zum Verhütten von Stahl wird viel Energie gebraucht, wobei der Großteil aus importierter Kohle kommt.
Andererseits spielt die Stahlindustrie in Deutschland eine besondere Rolle. Sie rührt aus der langen Vergangenheit der Stahlproduktion vor allem im Ruhrgebiet und Saarland. Stahl wird für Automobile, Bau-Armierungen, Maschinen und Panzer benötigt. Da soll es keine Abhängigkeiten von ausländischen Produzenten geben. Stahl ist quasi das Fundament der deutschen Industrie – ausserhalb der Chemie. Deshalb bereitet die Stahl-Industrie der Bundespolitik große Sorgen. So gab es letzte Woche im Bundeskanzleramt einen Stahlgipfel. Die Probleme sollen gemeinsam angegangen werden.
So stehen Schutzzölle v.a. gegen China-Stahlimporte im Raum, so hoch wie die Subventionen des chinesischen Staates betragen. Auch soll ein billigerer Industriestrom kommen – wobei Strom nicht die Hauptenergie bei Stahl beträgt. Hier wird eher im Strom der gesamten Industrie mitgeschwommen. Von direkten Subventionen wurde offiziell Abstand genommen. Das entspricht auch dem wirtschaftspolitischen Verständnis der Merz-CDU. Doch wird es reichen, den Strom von seiner Steuer zu befreien? Die Werke sind alle auf dem Stand der Technik. Wo Automatisierung Sinn gibt, wird sie eingesetzt. Gegenüber den USA ist so ein Vorsprung entstanden – den nun die Trump-Zölle wieder ausgleichen. Der lukrative Export wird so stark schwinden.
Ab 2026 trifft die europäische Stahlindustrie auch die CO2-Bepreisung ihrer Kohleverbrennung. Das passt gerade nicht zur Lage, zumal Trump in den USA keine CO2-Zertifikate einführt. Doch es kommt noch schlimmer: Auf dem Stahlgipfel forderten gewisse Kreise die Transformation der Stahlproduktion. Wohl gemeint ist damit die Verwendung grünen Wasserstoffs bei der Verhüttung. Thyssen-Krupp hat dafür eine milliardenschwere Projektförderung bekommen. Doch Fachleuten ist schon lange klar, dass diese Studie nichts erbringen wird. Die Energiedichte des Wasserstoffs ist zu gering. Zudem ist grüner Wasserstoff viel zu teuer.
Es gäbe aber eine grüne Lösung, wenn der CO2-freie Kraftstoff KATAN eingesetzt würde. Er hätte die 30-fache Energiedichte von Wasserstoff – und er wäre billiger als fossiler Brennstoff. Dennoch wäre er teurer als Kohle. Es ist völlig kontraproduktiv, der deutschen Stahlbranche auch noch die Transformation aufzubürden, solange sie nicht weltweit zur Pflicht wird. ek